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Volltext: Sociologus, N.F. 7/8.1957/58

Buchbesprechungen 
Studies Honouring the Centennial of Universitets Etnografiske Museum. 
Oslo 1857—1957. Publication aided by a grant from Norges Almen- 
vitenskapeligen Forskningsrä. Fbrenede Trykkerier. 
Vol. I: Gutorm Gjessing, „Socio-Culture. Interdisciplinary Essays on 
Society and Culture“. 314 S. Vol. II: Frederik Barth, „Indus and Swat 
Kohistan, an Ethnographie Survey“. 98 S. Vol. III: Arne Martin Klausen, 
„Basket-Work Omamentation among the Dayaks“. 106 S. Vol. V: Gutorm 
Gjessing og Marie Krekling Johannessen, „De hundre är — Universitetets 
Etnografiske Museums Historie 1857—1957“. 179 S., sämtlich Oslo 1956/57. 
Die auf geführten Arbeiten wurden zur Hundertjahrfeier des Osloer Ethno 
graphischen Museums herausgegeben. Der vierte Band der Reihe wurde 
aus unbekannten Gründen nicht zur Besprechung mit eingereicht. 
Im ersten Band stellt sich Professor Gjessing die Aufgabe, Anregungen 
für die Ausrichtung und Vereinheitlichung der weiteren theoretischen For 
schung der „Anthropologie“ — nach angelsächsischem Sprachgebrauch — 
zu geben. Er postuliert, wie schon der Titel „Socio-Culture“ andeutet, einen 
grundlegenden Dualismus der das menschliche Leben und Zusammenleben 
beherrschenden Triebkräfte. Einer als „sozial“ bezeichneten Komponente, 
die im wesentlichen imbewußt, gemeinschaftsbezogen und statisch-traditional 
ist, steht die „kulturelle“ Komponente gegenüber, die die Basis der be 
wußten bzw. „pseudo-bewußten“ — d. h. im menschlichen Bewußtsein den 
tatsächlichen Situationen und wirkenden Kräften nicht voll entsprechen 
den —i mehr individuumsbezogenen und dynamischen Tendenzen ist. Diese 
kulturelle Komponente wird im letzten Grunde durch das nach Aktivität 
drängende biologisch-individuelle Streben nach Triebbefriedigung gespeist, 
aber auch die soziale Komponente wurzelt nach der Meinung des Verfassers 
weit stärker in naturgegebenen menschlichen Strebungen, als es die 
Darwinsche Auffassung des Existenzkampfes, so wie sie gemeinhin ver 
standen wird, ausdrückt. 
Gjessing lehnt sich theoretisch und terminologisch vornehmlich an die 
englische „Social Anthropology“ an, wenn er sich auch nicht mit ihr identi 
fiziert. Man könnte vielleicht von einem Versuch sprechen, Malinowskis 
Theorien der letztlich entscheidenden individuell-biologischen Notwendig 
keiten mit Radcliffe-Browns Theorien der letztlich entscheidenden sozialen 
Notwendigkeiten zu verbinden. Er zieht hierbei, wie Bibliographie und 
zitierte Textstellen beweisen, vor allem die relevante angelsächsische und 
skandinavische Literatur heran. 
Die vorgetragenen Gedanken sind für alle „Anthropologen“ — im oben 
erwähnten Sinne verstanden — interessant und anregend. Abgesehen von 
Einzelpunkten, deren Aufzählung zu weit führen würde, scheint aber ein 
grundsätzlicher Einwand gegen Anlage und Durchführung der Arbeit an 
und für sich notwendig zu sein. Die einzelnen Abschnitte sind vom Autor 
selbst als „Essays“ bezeichnet. Das ist insofern nicht ganz zutreffend, als 
es sich nicht um jeweils eigenständige Abhandlungen handelt, sondern um 
Kapitel einer in sich zusammenhängenden theoretischen Gedankenführung, 
deren letzte man nicht voll verstehen kann, ohne die ersten gelesen zu haben. 
Die Probleme werden meist nur in großen Zügen abgehandelt, so wie sie 
dem Autor besonders wichtig erscheinen. Gjessing macht auf diesen Um 
stand ausdrücklich aufmerksam, um etwaige Einwände in Einzelheiten von 
vornherein zu entkräften. Da die gesamte Arbeit aber einen stark philoso 
phisch orientierten, wissenschaftstheoretischen Charakter hat, beeinträch 
tigen gewisse, nicht in ihrer ganzen Komplexität diskutierte Punkte der 
ersten „Essays“ naturgemäß Ausführungen in den späteren „Essays“. So 
wird durch die Überfülle der in jedem 1 Kapitel neu hinzutretenden Probleme
	        
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