Mehrstimmige Gesänge der südalbanischen Laben
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dunton benutzt. 6 Hinsichtlich Ambitus und Tonbestand zeigen unsere drei
Beispiele folgendes Bild:
Beispiel 1: 1. Solosänger
gab c !
Chor
g
2. Solosänger
(d) (es)
1 .1
f (fis)
1 ■■■■)
g
Beispiel II: 1. Solosänger
g (a)b c !
Chor
i
g
2. Solosänger
(d) (es)
11
(f)fis
11
g
Beispiel III: 1. Solosänger
g a ( b )
Chor
g
2. Solosänger
(d) (es)
(f) fis
« 1
g
Der Ambitus der melodietragenden i. Solostimme ist recht verschieden. Vor
herrschend sind jedoch suboktavische Ordnungen, meist drei- oder viertönige
Strukturen, teilweise ohne Halbtonschritte, im Quart- oder Quintrahmen. Den
kleinsten Ambitus zeigt unser Beispiel III. Seine melodische Bewegung pendelt
innerhalb der großen Sekunde a und dem Bordunton. Nur in Zierfiguren klingt
gelegentlich b an. In Beispiel II bewegt sich die Oberstimme im Quartrahmen über
dem Bordun, in Beispiel I geht sie bis zur Quinte d hinauf.
Der Tonraum des zweiten Solisten dagegen ist in unserer Liedgruppe ziemlich
fest Umrissen. Seine kurzen melodischen Floskeln vollziehen sich innerhalb der
Unterquarte des Borduntons. Der Bordunton selbst und dessen kleine oder große
Untersekunde (oder auch ein Ton der dazwischen liegt) sind seine Haupttöne. In
der Regel werden d und es nur am Schluß der Vorsängerphrase benutzt.
Gemeinsam ist allen labischen Gesängen eine starke Klangreibung um den Bor
dunton, die durch die verschieden weit genommene Untersekunde des 2. und die
e henso willkürlich angesetzte Obersekunde bzw. Kleinterz des 1. Solisten bewirkt
^drd. Das in der Mitte des ausgenutzten Tonraumes liegende tonale Fundament
des Borduntones bewirkt überdies einen gleichsam plagalen Klangcharakter.
Obgleich der Charakter des labischen Melos vom jeweiligen Ambitus und Ton-
v orrat eines Stückes abhängt, sind doch einige typische Züge feststellbar: ziemlich
en gräumige, zuweilen kurzatmige, knappe und präzise Formulierungen in der ersten
Solostimme, kleine kahl wirkende Bögen, lebhaftes Pendelmelos mit scharfen Ak-
Zentuierungen u. ä. Noch geringer ist die melodische Bewegung des 2. Solisten. Da
er sich streckenweise auf ein Pendeln zwischen dem Bordunton und dessen Unter-
Se kunde beschränkt, wobei oft ostinatoähnliche Motive entstehen wie überhaupt
, 6 In anderen labischen Liedern greift der zweite Solosänger auch in den Raum oberhalb
Qes Borduntones über (vgl. die Beispiele mit Oberterz bei Sokoli, a. a. O. Beisp. 1, 2, 7, 11,
U —18, 20, 28 — 30).