Soziale Zeit
Umfang, „Geschwindigkeit“ und Evolution
Von
Gerhard Schmied
Sozial wissenschaftliche Schriften, Heft 11
193 S. 1985. DM 62,—
Sich auf das Thema „Zeit“ einzulassen, bedeutet Konfrontation mit
einem rätselhaften Phänomen. Denn Zeit ist in mehrfacher Hinsicht
unfaßbar. Wir haben ein Sinnesorgan für den Raum, aber keines für die
Zeit. Die Zeit unserer Existenz läßt sich nicht festhalten; sie zerrinnt
mit unserem Leben. Und trotz der Versuche vieler der großen abend
ländischen Denker, Zeit begrifflich zu fassen, scheint das Fazit all dieser
Bemühungen schon von Augustinus in seiner Schrift „Bekenntnisse“
formuliert worden zu sein; auf die Frage, was denn „Zeit“ sei, antwor
tete er: „Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber
einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ ... Ungeachtet dieser Cha
rakteristika ist Zeit ein grundlegender Ordnungsfaktor im sozialen
Leben und ein Aspekt, unter dem jegliches Kulturobjekt gesehen wer
den kann. In der Spannung zwischen der Vielfalt des sozialen Lebens
wie der Kulturobjekte einerseits und der Eigenvariabilität des Phäno
mens „Zeit“ andererseits eröffnet sich für die Soziologie ein schier un
ermeßliches Forschungsfeld. Aus diesem Felde wurden für die vorlie
gende Arbeit drei Fragenkreise ausgewählt: die Bedeutung der natur
wissenschaftlichen Zeit im sozialen Leben, die Erscheinung der unter
schiedlichen Ablaufgeschwindigkeit von Zeit und die Evolution der
Zeitvorstellungen. Mit Hilfe verschiedener theoretischer Ansätze wer
den die drei Komplexe analysiert, die sowohl hinsichtlich der Ent
rätselung des Zeitphänomens im allgemeinen wie für eine Soziologie
der Zeit im besonderen gewichtig erschienen.
Ans dem Vorwort
DUNCKER & HUMBLOT / BERLIN