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Volltext: Sociologus, N.F. 35/37.1985/87

Soziale Zeit 
Umfang, „Geschwindigkeit“ und Evolution 
Von 
Gerhard Schmied 
Sozial wissenschaftliche Schriften, Heft 11 
193 S. 1985. DM 62,— 
Sich auf das Thema „Zeit“ einzulassen, bedeutet Konfrontation mit 
einem rätselhaften Phänomen. Denn Zeit ist in mehrfacher Hinsicht 
unfaßbar. Wir haben ein Sinnesorgan für den Raum, aber keines für die 
Zeit. Die Zeit unserer Existenz läßt sich nicht festhalten; sie zerrinnt 
mit unserem Leben. Und trotz der Versuche vieler der großen abend 
ländischen Denker, Zeit begrifflich zu fassen, scheint das Fazit all dieser 
Bemühungen schon von Augustinus in seiner Schrift „Bekenntnisse“ 
formuliert worden zu sein; auf die Frage, was denn „Zeit“ sei, antwor 
tete er: „Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber 
einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ ... Ungeachtet dieser Cha 
rakteristika ist Zeit ein grundlegender Ordnungsfaktor im sozialen 
Leben und ein Aspekt, unter dem jegliches Kulturobjekt gesehen wer 
den kann. In der Spannung zwischen der Vielfalt des sozialen Lebens 
wie der Kulturobjekte einerseits und der Eigenvariabilität des Phäno 
mens „Zeit“ andererseits eröffnet sich für die Soziologie ein schier un 
ermeßliches Forschungsfeld. Aus diesem Felde wurden für die vorlie 
gende Arbeit drei Fragenkreise ausgewählt: die Bedeutung der natur 
wissenschaftlichen Zeit im sozialen Leben, die Erscheinung der unter 
schiedlichen Ablaufgeschwindigkeit von Zeit und die Evolution der 
Zeitvorstellungen. Mit Hilfe verschiedener theoretischer Ansätze wer 
den die drei Komplexe analysiert, die sowohl hinsichtlich der Ent 
rätselung des Zeitphänomens im allgemeinen wie für eine Soziologie 
der Zeit im besonderen gewichtig erschienen. 
Ans dem Vorwort 
DUNCKER & HUMBLOT / BERLIN
	        
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