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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 6.1874

Mittheilungen über die Sotho-Neger. 
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Die Dialekte des Sotho sind ungemein zahlreich. Der kleinste Stamm, 
der mitunter nur einige Hundert Köpfe zählt, spricht anders als sein Nach 
bar. Es erinnert dies an Aehnliches in Friesland. Hierbei will ich gleich 
erwähnen, dass noch eine andere Erscheinung an Friesland erinnert, nämlich 
der Name für „Vater“ und „Mutter“. „Vater“ heisst im Sotho „täte'“, im 
Friesischen „Täte“-, „Mutter heisst im Sotho „mme 1 “, im Friesischen „Mem.“ 
Fs ist überhaupt interessant, beide Bezeichnungen durch die ganze Welt auch 
bei den am meisten verschiedenen Völkern immer wiederkehren zu sehen. 
"Vergl. das Hebr. ay, das Griech. f.iäu/urj, das Lat. mamma, Franz, maman, 
das Fries. „Mem“, das Sotho mme'=mame, vocativisch mma'—mama 1 , im Kafir 
ßiame, und die Wurzel in /rryr/yp, mater, Mutter; — ebenso das Hebr. nn, baba 
im Türkischen, baba im Kafir, papa im Tevele und Latein, tcuttiq, pater, 
^ater, und dann wieder jenes friesische „Tate“ und das Sotho = „täte',“ 
v ocativisch total, im Kafir udade. Dergleichen beweist, wie auch die Ent 
nickelung der Sprache nach bestimmten Gesetzen, die bei allen \ölkern 
niederkehren, die ursprüngliche Einheit der menschlichen Sprache und 
führt mit unwiderstehlicher Consequenz auf den Ursprung des Menschenge 
schlechtes aus einem Blute. 
Einer Eigentümlichkeit ist '•noch zu gedenken, nämlich dass bei den 
^°ttio (ebenso wie bei den Kaffern) Männer und Weiber gleichsam ihren be- 
s °u deren Dialekt haben. Die Männer wissen mitunter gar nicht, wie die 
Leiber dies und jenes bezeichnen, was die letzteren besonders betrifft, und 
u mgekehrt. Ja oft haben die Männer für dasselbe Ding eine andere Bezeich- 
Uün g als die Weiber. 
Schliesslich will ich noch der Zeitrechnung Erwähnung thun. Eine 
^focheneintheilung kennen die Sotho nicht, wo sie dieselbe noch nicht von 
Furopäern angenommen. Sie rechnen nach Monden, deren sie zwölf auf ein 
J ahr zählen. Da hierbei stets ein Ueberschuss von einem Monde jährlich 
berauskommt, so geräth die Zählung vielfach in Verwirrung, und die Alten 
^iud oft im Streit mit einander, in welchem Monat man stehe. Die Namen der 
^°nate hängen mit irgend welchen charakteristischen Erscheinungen wählend 
derselben zusammen. So z. B. heisst der Mond, der etwa mit unserm Mai 
/ msammentrifft, Mose^anoh — Gelächter der Vögel, weil in dieser Zeit eine 
^t Aloe blüht, in deren Blumen Zuckersaft gefunden wird, welchen die 
dglein fröhlich zwitschernd trinken. (Die unbefiederten Vögel sind freilich 
auch nicht faul, die Blüthenstengel abzubrechen und den süssen Saft auszu- 
^augen, wobei es denn von dem Blumenstaub orangegelb gefärbte Nasen, 
(fauler und Wangen abgibt.) Der Monat, welcher etwa mit dem November 
ahereinstimmt, heisst Liphalane = kleine Roodebok-Antilopen, weil es die 
ist, da diese geboren werden. — Jahreszeiten kennt der Sotho nur 
re F nämlich selemo = Ackerzeit, von September bis etwa in den December 
mein; dann kommt leJavula, bis in den März, die Zeit des Hoch- und 
P a tsommers; darauf folgt mare^a, der Winter, bis August. „Ein Tag“ heisst 
Ze ‘tsi-hrift für Ethuologie, Jahrgang 1874. 5
	        
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