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A. Referate. Anthropologie.
246. A. v. Török: Neue Untersuchungen über die Dolicliokeplialie.
Ein Beitrag zur nächsten Aufgabe der Rassenforschung. Zeitschr.
f. Morphol. u. Anthrop. 1905, Bd. VIII, S. 215—238.
v. Török geht davon aus, daß, wenn man eine Schädelserie nach stei
gendem Längen- oder Breitenmaß nebeneinander stellt, auch das Auge eine
kontinuierliche Reihe sieht; wenn man sie aber nach steigendem Indexwert
nebeneinander stellt, findet das Auge höchst verschiedene Formen neben-
und durcheinander. 15 Schädel mit dem gleichen Index (abgerundet 74) sind
nach absoluter Länge der Mehrzahl nach mittellang, sehr viele kurz und
nur einer wirklich lang! — Verfasser untersucht nun in dieser Hinsicht
552 dolichokephale Schädel von sieben Rassen: Neger, Eskimo, AVedda, Singhala,
Tamilen, Australier, Schweden. Als Vergleichsgrenzen für „lang“, „mittel
lang“, „kurz“ und ebenso für „breit“ und „hoch“ werden die Werte von
etwa 7000 Schädellängen nach einer Arbeit von Dobsa (ung. Dissert.), von
etwa 15 000 Schädelbreiten nach Bartels und von etwa 6000 Höhen nach
Dobsa zugrunde gelegt. Damit sind für Länge, Breite und Höhe die
menschlichen Variationsbreiten fest gelegt; dieselben werden je in drei gleiche
Teile geteilt, so daß für Länge, Breite und Höhe des menschlichen Schädels
je eine Gruppe von Großen, Mittleren und Kleinen ziffernmäßig umschrieben
ist. — Für alle drei Dimensionen sind die Mittelgroßen in der Menschheit
überwiegend häufig (74 bis 84 Proz.). Übersichtliche Tabellen (graphisch
und nach Ziffern) zeigen nun das Verhalten der dolichokephalen Rassen auf
der Skala dieser absoluten Werte. Die Mehrzahl der dolichokephalen Schädel
sind absolut betrachtet nur mittellang, viele reichlich kurz, viele reichlich
lang, am längsten Australier, dann Schweden; unter den dolichokephalen
Wedda, Singhala und Tamilen sind überhaupt keine wirklich „langen“
Schädel! Die kürzesten Dolichokephalen haben die Neger.
Eine Anzahl dolichokephaler Schädel (Neger und Schweden) gehören
absolut zu den „breiten“, die Mehrzahl zu den mittleren, wirklich „schmale“
Schädel haben die Schweden nicht. Im ganzen ist das Wort „Schmalschädel“
besser als „Langschädel“ für Dolichokephale. „Hohe“ Schädel kommen bei
allen vor (Neger die höchsten), niedere Schädel kommen bei Eskimo, Austra
liern und Negern vor (diese auch die niedrigsten !) — die meisten sind mittel
hoch. — Verfasser zieht das Resultat, daß keine Rasse besteht, wo wirklich
lange, schmale Schädel in der Mehrheit seien, die ganze Ansicht über gentes
dolichocephalae sei hinfällig!! — Daß ursprünglich jeder Stamm nur eine
einheitliche Schädelform gehabt habe, und alle Verschiedenheiten nur durch
Blutmischung bedingt seien, wird mit Recht als völlig willkürlich und un
bewiesen hingestellt. Auch keine einzige Beobachtung an prähistorischen
oder an heutigen relativ reinen Rassen spreche dafür; die ganze diesbezügliche
Kraniologie bewegt sich seit 60 Jahren auf falschem und resultatlosem Wege
— die Retziussche Indexbetrachtung ist unbrauchbar!
F. Fisclier-Freiburg i/B.
247. G. Walclier: Über die Entstehung von Bracliy- und Doliclio-
kephalie durch willkürliche Beeinflussung des kindlichen
Schädels. Zentralbl. f. Gynäkol. 1904, Jahrg. XXIX, Nr. 7.
Verfasser trat der Frage näher, ob die Form des normalen kindlichen
Schädels durch eine bestimmte Lagerung des Kopfes beeinflußt werden könne,
indem er an mehreren 100 Kindern der Kgl. Hebammenschule zu Stuttgart
diesbezügliche Versuche anstellen ließ. Ausführlicher wird hierüber der
Assistenzarzt Dr. Elsässer berichten.