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Buchbesprechungen
lebten, sich der vegetarischen Kost der Ein
heimischen anpaßten und das vermieden, was
ihre Außenseiterrolle hätte hervorkehren kön
nen, wie z. B. den Konsum von Alkohol.
Die Autoren betonen im Vorwort, daß ihr
Material ein empirisches ist. Aussagen lokaler
Informanten sind im Text durchgehend typo
graphisch abgehoben. Ihrer Publikation haben
sie die Form eines catalogue raisonné gegeben,
der zunächst in zehn Abschnitten im wesent
lichen den verwendeten Werkstoffen folgt:
Stein, Ton, Farbpigmente, Holz, Textilien und
Leder. Drei Kapitel behandeln ergologischc
Themen: Metallgcgenständc, die durchwegs
nicht lokal gefertigt sind, Bodenbaugeräte so
wie abschließend Spielzeug und Spiele und
Haartracht und Schmuck der Haut. Beim letz
ten Punkt vermißt man Hinweise auf die
Technik des Tätowierens.
Innerhalb der einzelnen Kapitel werden je
weils die Rolle des Handwerkers, seine Ar
beitsbedingungen sowie Werkzeug und Roh
material beschrieben. Als Dokumentation für
den Katalogteil standen 3800 Fotos und 400
exakte Objektbeschreibungen zur Verfügung.
Typische Produkte (basic types) werden als
cultural motives nach ihren funktionalen und
strukturellen Aspekten analysiert. Produk
tionsprozesse werden in ihrem zeitlichen Ab
lauf geschildert, meist mit exakten Zeitanga
ben.
Bei den Beschreibungen der Einzclobjekte
— Werkzeuge wie Produkte — fehlen hin
gegen weitgehend Maßangaben. Das Gehöft
des Töpfers ist durch einen Grundriß illustriert,
der inhaltlich wie formal vollauf befriedigt.
Hingegen kann man sich von der Töpferschei
be aufgrund der rein verbalen Darstellung
nur mühsam ein zufriedenstellendes Bild ma
chen. Die kleinen Fotos geben über Details
der Konstruktion keinen Aufschluß. Dieser an
einem Beispiel illustrierte Mangel, der schon
eingangs angesprochen wurde, erschwert die
Verwendung des Materials für vergleichende
Untersuchungen.
Insgesamt besehen ist die vorliegende Ar
beit ein hervorragendes und nachahmenswer
tes Beispiel einer regionalen Studie auf dem
Gebiet der völkerkundlichen bzw. im konkre
ten Fall der volkskundlichen Technologie und
Ergologie. Das einleitende Kapitel über „Das
Dorf Ratadi und seine Bewohner“ gibt, mit
für das Thema ausreichenden Details, eine Be
schreibung der natürlichen und sozialen Um
welt, die eine Einordnung des Materials in den
weiteren kulturellen Rahmen zuläßt.
Weit über ihre rein akademische Bedeutung
hinaus sind derartige Arbeiten — global be
trachtet — geeignet, den Blick auf die kultu
relle und nationale Bedeutung dieses For
schungsgegenstandes zu lenken, wie Alfred
Bühler in seinem Vorwort andeutet. Sie kön
nen dazu beitragen, die verständlicherweisc
auf den zivilisatorischen Fortschritt konzen
trierte Intelligenz der Dritten Welt auf bc-
wahrenswertes Heimisches aufmerksam zu ma
chen, ehe es — wie weitgehend im Bereich
unserer vielfach überbewerteten Zivilisation —
zu spät ist. Um das jeweils nationale kulturelle
Erbe zu erhalten, ist es nötig, es so vollständig
wie möglich zu dokumentieren. Auch in diesem
Sinn ist die Gemeinschaftsarbeit des deutschen
und des indischen Autors, wieder mit Bühler,
„ein Beispiel für ähnliche zukünftige Publika
tionen“.
Alfred Janata
K. ISHWARAN (ed):
Change and Continuity in India’s Villages.
New York and London: Columbia Univer-
sity Press. 1970. 296 S.
Dieser Sammelband enthält Originalbei
träge, und zwar, neben der Einleitung des
Herausgebers und einem „Prologue“ von S. N.
Eisenstadt (Some Remarks on Patterns of
Change in Traditional and Modern India), 10
Fallstudien aus einzelnen Dörfern: „The Pro-
cess of Social Change in Himachal Pradesh“
(W. H. Newell), „Urban Influence and Change
in Southern Mysore“ (A. R. Beals), „Diversity
and Change in the Lower Himalayas“ (G. D.
Berreman), „Change in the Jajmani System of
an Uttar Pradesh Village“ (]. W. Eider), „So
cial and Religious Change in Central Kerala“
(K. Cough), „Internal Dynamics of Change in
a Mysore Village“ (K. Ishwaran), „Changing
Socioeconomic Structure in Madras State“
(J. P. Mencher), „The Changing Political Sys
tem of a Maharashtrian Village“ (H. Oren-
stein), „Cultural Change in Eastern Uttar
Pradesh“ (Y. Singh), „Koya Social Organisa
tion, Change and Persistcnce in Andhra Pra
desh“ (S. A. Tylor).
Dieser Überblick kann die Vielfalt der The
matik nur andeuten. Die meisten Autoren ha
ben ihr Material unter anderer Themenstellung