Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Jürgen Zwernemann 
Die Mpezo-Figuren sind ebenfalls Nagelplastiken in Tier- oder Menschengestalt. 
Sie zeichnen sich durch einen besonderen Kopfputz aus: eine Feder- oder Dornen 
krone ist mit Hilfe eines Tuches am Kopf befestigt. Hauptcharakteristikum der Mpezo- 
Figuren ist offenbar, daß der auf dem Bauch befindliche Kasten, der die magische 
Substanz enthält, mit weißer Erde bedeckt ist. Die Mpezo-Figuren verursachen zahl 
reiche Krankheiten, töten aber nur selten (Maes, 1930, 349; 1935, 22). Zur Mpezo- 
Figur gehört fast stets ein geflochtener Korb mit diversen magischen Ingredienzien. 
Dieser Figuren-Typ dient ebenfalls bösen Geistern (ndoki) als Sitz. 
Der dritte Typ, Na-Moganga genannt, soll Sitz guter Geister (nkisi) sein. Die 
Figuren dieses Typs haben die Heilung von Kranken zur Aufgabe. Das Vorhanden 
sein von Zahndeformationen, Benarbung und bestimmten Kopfputzen läßt nach Maes 
daran denken, daß diese Figuren ursprünglich Ahnenbilder darstellen. Bei vielen 
Figuren dieses Typs sind die Arme nur etwa zur Hälfte dargestellt. Sie sind stets 
unbenagelt (Maes, 1930, 351 ff.; 1935, 25). 
Die Mbula-Figuren beschützen ihren Besitzer vor allem vor Zauberern. Sie sollen 
stets im Besitz von Häuptlingen sein. Ihr Charakteristikum ist, daß sie kleine Röhr 
chen aus Holz oder auch aus Eisen tragen, in denen sich Pulver und kleine Eisen 
teilchen befinden. Sie strafen die Widersacher ihres Schützlings durch Flintenschuß 
(Maes, 1930, 354; 1935, 31). Nur selten sind Nägel in Mbula-Figuren geschlagen. 
Nach den Funktionsangaben, die sich für wenige Figuren in den Unterlagen des 
Linden-Museums finden, erscheint es mir nicht möglich, die von Maes aurgezeigte Ein 
teilung in allen Fällen anzuwenden. Ich bin nicht davon überzeugt, daß daran aus 
schließlich die dürftige Dokumentation der Funktion unserer im Folgenden dargestell 
ten Sammlungsgegenstände schuld ist. Auch typologische Erwägungen bringen mich 
zu diesem Schluß. 
Bei vielen Figuren sind die oberen Schneidezähne im geöffneten Mund sichtbar. 
Die Zähne sind fast immer deformiert. Sieben verschiedene Typen von Zahndefor 
mationen lassen sich bei den untersuchten Plastiken feststellen (siehe Abb. 1). Am häu 
figsten ist der Typ a vertreten. 
Alle Figuren haben (oder sollten ihn wenigstens haben) vor dem Bauch einen 
Kasten, der magisch aktive Dinge enthält. Als Material für diese Kästen gibt Maes 
(1935, 15) ein harziges Gemisch von bulungu, schwarzer Erde, weißem Lehm und 
rotem Pulver an. Bulungu wird an anderen Stellen (zum Beispiel Maes, 1935, 10) 
d e f g 
Abb. 1. Schematische Darstellung von Zahndeformationen der Spiegel- und Nagel 
plastiken des Linden-Museums.
        

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