Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
mit aller Vorsicht heranzuziehen. Solche Ver 
suche können aber wohl nur tastend vorge 
nommen werden und haben eigentlich in einer 
summarischen Überschau, wie sie die Samm 
lung „Kunst der Welt“ bringt, keinen Platz. 
In einem letzten Beitrag berichtet Lommel 
über die Felsbilder Australiens, die ja noch 
bis in die Gegenwart gemalt wurden und un 
mittelbare Beziehungen zu der Weltbildvor 
stellung ihrer Hersteller zeigen, was an meh 
reren Beispielen eindrucksvoll und einleuch 
tend nachgewiesen wird. Der Autor erweitert 
seine eigenen Forschungserfahrungen zu einem 
Gesamtbild der heute bekannten australischen 
Felsbildkunst. Bei der im Verhältnis zur 
Größe des Gebietes geringen Zahl von Fund 
stellen und der Vielfalt der einzelnen Dar 
stellungen scheint die schematische Verbrei 
tungskarte zweier gegensätzlicher Stile nicht 
ganz überzeugend. 
Insgesamt handelt der Band zwar nur von 
Felsbildern der Steinzeit, wobei dieser Be 
griff auch für „steinzeitliche“ Verhältnisse 
bis zur Gegenwart angewendet wird, bringt 
aber vielerlei zum Teil sich widersprechende 
Ergebnisse und einander schroff entgegen 
stehende Betraditungsweisen. Wird er den 
Leser dadurch bereichern, oder stärker ent 
mutigen und verwirren? Ist diese Mannigfal 
tigkeit Absicht des Verlages oder Ergebnis 
einer allzu forschen Planung? 
H. Rhotert 
GÜNTER SMOLLA: 
Neolithische Kulturerscheinungen. Studien 
zur Frage ihrer Herausbildungen. Bonn: 
R. Habelt i960. 180 S. (Antiquitas, Reihe 
2, Band 3.) 
Neolithische Kulturerscheinungen und ihre 
Herausbildung werden hier untersucht. Es ist 
erfreulich, daß auch ein Prähistoriker darun 
ter nicht nur Keramik, Steinschliff u. a., 
allein archäologisch „interessante“ Phänome 
ne versteht, sondern vor allem das, was das 
Neolithikum den früheren Phasen der 
Menschheitsgeschichte gegenüber viel kenn 
zeichnender als diese technischen Fortschritte 
unterscheidet: die neue Haltung gegenüber 
Pflanze und Tier, Nutzpflanze und Haus 
tier. Daß in dieser Umgebung ethnologische 
Gedankengänge neben den archäologischen 
von Bedeutung sind, hat der Verfasser klar 
erkannt und die notwendigen Folgerungen 
daraus gezogen: Sein Literaturverzeichnis 
nennt fast ebensoviele ethnologische wie ar 
chäologische Arbeiten, daneben geographi 
sche, zoologische und botanische. Ähnliches 
geschieht auch sonst gelegentlich. Aber hier 
hat man auf jeder Seite der im Umfang so 
begrenzten Arbeit den bestimmten Eindruck, 
daß ein Autor am Werk ist, der Literatur 
zitate nicht als Beweise seiner Belesenheit be 
nützt, sondern sich mit Methoden, Proble 
men und Ergebnissen der Nachbar Wissen 
schaften sehr kritisch auseinandersetzt, daß 
er auch nicht billig sich anbietende Belege 
aus Nachbarwissenschaften zusammengesucht 
hat, um damit seine eigenen Thesen zu stüt 
zen, sondern daß es ihm darauf ankam,. 
Forschungsstand wie Gesamtsituation der 
Nachbardisziplinen wirklich kennenzulernen 
und deren Ergebnisse und Thesen an seinem 
eigenen Material zu messen. Wie er hier in 
die Tiefe und auch in die Breite gearbeitet 
hat, kennzeichnet seine ganze Denkart eben 
so, wie die kritische Haltung, die er auch den 
Methoden und Ergebnissen der eigenen Dis 
ziplin gegenüber zeigt. Nicht umsonst sind 
mehr als 10 Jahre Arbeiten und Beobach 
tungen in dieses Werk investiert worden! 
Es Ist unmöglich, hier auch nur einen we 
sentlichen Teil all der Fragen und Gedanken 
aufzuzeigen, die in dieser ungemein dichten 
Arbeit diskutiert werden oder anklingen. 
Deshalb sei es erlaubt, Gliederung und Er 
gebnisse in gedrängter Form vorzutragen 
und einige Bemerkungen daran anzuknüpfen. 
Die Einleitung beschäftigt sich mit dem 
Problem „Neolithikum“ als solchem, mit 
methodischen Fragen und mit einem Umriß 
des Geplanten. Nur zwei Sätze seien daraus 
zitiert, die klarer als alle Umschreibungen 
zeigen können, was der Autor will und wie 
er es zu erreichen beabsichtigt: „Sehr vieles 
mußte als bekannt vorausgesetzt werden. 
Denn ich habe mir nicht die von vornherein 
unlösbare Aufgabe gestellt, den Leser vom 
weiteren Studium der angeschnittenen Fra 
gen zu entlasten, sondern möchte dazu an 
regen“ (p. 16). „Hier wird von einer be 
stimmten Fragestellung aus versucht, Einzel 
züge des Materials auf seine Aussagekraft 
hin zu interpretieren“ (p. 16). 
Das nächste Kapitel ist der Entstehung der 
Keramik gewidmet. Smolla kommt dabei 
zum Ergebnis, daß es Töpferei bei einigen 
relativ Seßhaften — Fischern und Küsten 
sammlern — möglicherweise schon vor deren 
Kenntnis von Kulturpflanzen und Haustie
	        
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