Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
— aber manch angeblicher Zauber hat sich im 
Lauf der letzten Jahrzehnte als etwas anderes 
entpuppt. Eine klare Differenzierung der ein 
zelnen naturvölkischen Kulturen hätte den 
Autor sicher weitergeführt und ihn vor man 
cher schiefen Darstellung und verallgemei 
nernden Formulierung bewahrt. 
Diem kommt in diesem einführenden Ab 
schnitt zu dem Ergebnis, daß der Sport kul 
tischen Ursprungs sei, entstanden als Teil von 
Ritualen, z. B. bei Stammesfesten und Toten 
feiern. Seine Formen seien von Anfang an 
Einzelleistung, Mannschaftskampf und Tanz 
gewesen, seine Ziele Schnelligkeit, Ausdauer, 
Kraft und Geschicklichkeit, seine Aufgabe 
aber sei es gewesen, anzufeuern, zu erfüllen 
und zu bannen. Das ist gewiß richtig, aber es 
ist doch sehr die Frage, ob man — gerade 
beim anfänglichen Jägerleben des Menschen — 
nicht auch an eine Leibeserziehung ohne 
sakrale Hintergründe denken muß, wenn man 
die Verhältnisse bei rezenten Jägergruppen 
berücksichtigt. 
Trotz diesen Einschränkungen ist Diem wie 
für das ganze Buch, so auch für dessen erste 
Kapitel zu danken. Er hat damit nicht nur 
sich selbst, sondern jetzt auch uns eine Frage 
und eine Aufgabe gestellt. Man möchte seiner 
schönen Arbeit nur wünschen, daß in der 
nächsten Auflage die kleinen, aber doch stö 
renden Fehler bereinigt sein mögen, die ihr 
jetzt noch anhaften. 
F. Kussmaul 
H. G. BANDI: 
Die Steinzeit. Baden-Baden: Holle-Verlag 
1960. 256 S., mit zahlreichen Farbbildern, 
Zeichnungen und Karten (Kunst der Welt, 
die außereuropäischen Kulturen). Preis: 
DM 29.80. 
Der Verlag läßt in rascher Folge Band auf 
Band seiner großen Serie „Kunst der Welt, 
die außereuropäischen Kulturen“ erscheinen, 
die sich durch eine Fülle farbiger Abbildungen 
und einen hierfür ungewöhnlich niedrigen 
Preis auszeichnet. Sie ist naturgemäß in erster 
Linie für interessierte Laien gedacht, wird 
aber sicher auch vom Wissenschaftler zur Hand 
genommen, wenn es sich um Randgebiete sei 
nes Faches handelt, oder wenn er Bildmaterial 
benötigt, das ihm sonst farbig nicht zugäng 
lich ist. Das großzügige Verlagsunternehmen 
ist also gewiß verdienstvoll, zumal namhafte 
Gelehrte daran mitarbeiten, und verschafft 
Überblicke, die anders schwer zu erlangen 
sind. 
Daß nun auch die Steinzeit, wenn auch nur 
in ihrer Dokumentation durch Felsbilder, be 
handelt wurde, ist zu begrüßen, auch dann, 
wenn man sich auf die Hauptgebiete be 
schränkt und Peripheres fortgelassen hat. Al 
lerdings zeigt gerade dieser Band Schwächen, 
die vor allem dadurch entstanden sind, daß 
6 sehr verschiedene Autoren daran beteiligt 
waren, die überdies von so unterschiedlichen 
Voraussetzungen an ihre Aufgabe gingen, daß 
ein einheitliches und in allen Teilen gleich 
wertiges Bild nicht entstehen konnte. H. G. 
Bandi, der auf dem Einband, nicht aber innen 
im Titel als Hauptautor oder Herausgeber 
erscheint, weist denn auch in seinem kurzen 
Vorwort auf diesen Mangel hin, ohne ihn 
dadurch beheben zu können. 
Die Franko-Kantabrische Kunst wird ge 
meinsam von Henri Breuil und Lilo Berger- 
Kirchner behandelt. Vermutlich stammt der 
Text von der Schülerin, wurde aber vom Alt 
meister der paläolithischen Forschung in 
Europa, Abbe Breuil, gutgeheißen. Die Dar 
stellung ist klar und übersichtlich, berücksich 
tigt auch schon so neue Entdeckungen wie die 
Höhle von Rouffignac und gibt im wesent 
lichen das Bild, wie es als Lebensarbeit von 
Breuil und Obermaier auf uns gekommen ist. 
Die Gefahr, die eine übergroße wissenschaft 
liche Autorität für die Forschung bedeuten 
kann, stößt dem Leser auf, wenn fast bei je 
der Fundstelle die Meinung Breuils als der 
Weisheit letzter Schluß zitiert wird. Karten 
und geographisch geordnete Verzeichnisse der 
Fundhöhlen sind neben dem Bildmaterial 
nützliche und wesentliche Ergänzungen. 
Auch der Beitrag von H. G. Bandi über die 
Felsbilder der ostspanischen Levante unter 
richtet in vorbildlicher Weise und gibt im 
wesentlichen den Standpunkt wieder, wie er 
in der klassischen Arbeit von Bandi und 
Maringer, Kunst der Eiszeit, Basel 1955, nie 
dergelegt ist. Die Illustrationen sind auf 
schlußreich, eine Karte und ein Verzeichnis 
der Fundplätze ergänzen die Arbeit. In sym 
pathischer Gewissenhaftigkeit sind die Lücken 
unseres Wissens nicht verschwiegen, doch wird 
mit aller Vorsicht einer weiträumigen, noch 
nicht in allen Einzelheiten geklärten Bezie 
hung zwischen der Felsenkunst Südeuropas 
und Nord- und Südafrikas das Wort geredet. 
Wenn der Autor feststellt (S. 95), daß nur 
Nordafrika diese Betrachtung erschwere, weil
	        
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