Volltext: Tribus, 10.1961,N.F.

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Buchbesprechungen 
nen werden können: die historische kann im 
mer nur unter den möglichen sein! 
Diese Einschränkung mindert in keiner 
Weise den Wert der Arbeit, die auf knappem 
Raum in bewundernswerter Weise eine Fülle 
von Material verarbeitet hat und darbietet. 
Ein kurzer Überblick über den Inhalt möge 
dies zeigen. 
Die Darstellung beginnt mit einem einlei 
tenden Kapitel zur „Geschichte, Methode und 
Literatur“, in dem auch das Cent-System er 
läutert wird. Sie führt über den Abschnitt 
„Anfänge der Musik“ zur Betrachtung der 
Systematik der Instrumente (ein kurzer Ab 
riß der Systematik der Musikinstrumente ist 
im Anhang zu finden) und geht schließlich auf 
die geschichtliche Entwicklung des Instrumen 
tariums ein, wobei eine Tabelle über die Ent 
stehungsfolge der wichtigsten Tonwerkzeuge 
eine schnelle Orientierung ermöglicht. Sachs 
behandelt dann die Instrumentalmusik und 
ihre Entstehung, die Tonsysteme, Tonleitern 
und Modi; Bemerkungen zur Entstehung der 
Notenschrift schließen an. Größerer Raum ist 
den verschiedenen Formen der Mehrstimmig 
keit und den Melodietypen Vorbehalten. Von 
besonderem Interesse sind die Kapitel über 
die physiologischen und magischen Wirkungen 
sowie die Lebensbindungen der Musik. Mit 
dem Abschnitt „Die körperlichen Bindungen“ 
und einem kurzen Literaturhinweis, der vor 
allem drei wesentliche Bibliographien zitiert, 
schließt die Darstellung, die als ein erster 
Überblick gedacht ist. 
Diese wenigen Bemerkungen mögen ge 
nügen, um zu zeigen, daß hier ein zwar 
schmales, aber inhaltlich gewichtiges Bänd 
chen vorliegt, das nicht nur in jeder Fach 
bücherei zu finden sein sollte, sondern — ent 
sprechend der Aufgabe einer „Musikpädago 
gischen Bibliothek“ — vor allem in die Hand 
des Lehrers gehört. Die leichte Lesbarkeit und 
der geringe Anschaffungspreis sind günstige 
Voraussetzungen hierfür. Leider nimmt ja die 
Musik fremder Kulturen innerhalb der all 
gemeinbildenden Schulen (übrigens auch in 
nerhalb der Musikhochschulen) kaum einen 
Platz ein, obgleich die Möglichkeit dazu durch 
die Vielzahl der Schallplatten mit jener Mu 
sik ohne weiteres gegeben wäre. Man möchte 
nur wünschen, daß durch solche Veröffent 
lichungen wie die Sachs’sche das Wissen um 
die Musik der Frcmdkulturcn gefördert und 
das Interesse geweckt wird! 
W. D. Meyer 
CARL DIEM: 
Weltgeschichte des Sports und der Leibes 
erziehung. Stuttgart: Cotta 1960. XVI + 
1224 S. Geb. DM 78.—. 
Wer Carl Diems schönes Buch über die 
Asiatischen Reiterspiele kennt, nimmt diese 
neue Arbeit mit großen Erwartungen zur 
Hand — und wird nicht enttäuscht, minde 
stens nicht in den Kapiteln, in denen der 
Autor sich wirklich zu Hause fühlt und wo er 
aus einem reichen Wissen schöpfen kann. Dies 
ist auf ganz erstaunlich breiter Basis der Fall. 
Die Arbeit ist in zwei Bücher gegliedert. 
Das zweite beschäftigt sich mit der modernen 
Entwicklung des Sports seit der Französi 
schen Revolution. Diem handelt die geistigen 
Grundlagen ab, die Funktion des Sports, die 
einzelnen Sportarten und in einem sehr breit 
angelegten Teil den Sport in den einzelnen 
„Kulturkreisen“ unserer Zeit; hier zeigt er 
die Geschichte, die Schwerpunkte und die 
historisch-psychologisch-somatischen Bedingt 
heiten der einzelnen Sportarten auf. Sport 
stätten, Olympische Spiele und eine Zusam 
menfassung schließen dieses Buch ab. Quellen 
hinweise, Literaturverzeichnis und Register 
runden das auch äußerlich sehr ansprechende 
Werk ab. Dieser Teil soll hier nicht bespro 
chen werden. 
Das erste Buch behandelt Sport und Leibes 
erziehung bis 1789, in den außereuropäischen 
Gebieten bis heute. Es ist gegliedert in „Kul 
tischer Ursprung und Urvölker“, „Völker der 
Antike im Mittelmeerraum“, „Asien“, „Euro 
pa von den Germanen bis zur Französischen 
Revolution“. Auch aus diesem Buch soll nur 
die Einleitung (kultischer Ursprung) und 
Außereuropa (ohne den Alten Orient) be 
sprochen werden, doch sei gesagt, daß die bei 
den anderen Teile — wie das ganze zweite 
Buch — große Sachkenntnis und souveräne 
Beherrschung des Stoffes verraten und daß 
die Darstellung an vielen Stellen den Atem 
großer Historiographie hat. 
Das ist — mit einigen Einschränkungen —- 
auch vom Teil „Asien“ zu sagen, wo der 
Autor teilweise auf seiner Arbeit über die 
Reiterspiele basiert. Er stellt Asien den übri 
gen Kulturräumen gegenüber und sagt, daß 
es durch das weitgehende Fehlen des agonalen 
Spiels gekennzeichnet sei. Wenn er dann aber 
im Orient, in Zentralasien und in geringerem 
Maße auch in Ostasien immer wieder von 
Reiterspielen, von Ballspielen überhaupt, von
	        
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