Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XV (1967)
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gekauft, aber sie werden auch von örtlichen zigeunerischen und türkischen
Schmieden verfertigt. In Dobric (Hadzi-Oglu-Pazardzik) und Balcik wurden
solche Eisenfallen noch im Jahre 1961 von Zigeunerschmieden verkauft. Die
kleineren Fallen werden zum Fangen der Mäuse und Ratten, die größeren zum
Fangen der Füchse und herumschweifenden Hunde benützt.
Man könnte noch verschiedene historische Folgerungen hinsichtlich der tatari
schen Fallen und Schlingen treffen. Aber zu solchen Untersuchungen wäre eine
ausführliche Darstellung der Jagdkultur der Karpaten, der Balkanhalbinsel, der
Süd-Ukraine und des Kaukasus nötig. Diese Aufgabe ist jenseits meiner jetzigen
Zielsetzungen. Statt einer ausführlichen kulturhistorischen Analyse möchte ich
hier die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß zahlreiche uralte Elemente der
Jagdverfahren und Jagdgeräte bei den Tataren in der Dobrudscha erhalten
blieben. So sind z. B. die Treibjagd mit einer trichterförmigen Menschenreihe 25 ,
die runde Tretfalle und das Fuchsbrett sehr alte eurasische Elemente in der
tatarischen Jagdkultur. Die Benutzung der Bogenfalle bei den Tataren beweist,
daß dieses Gerät aus Sibirien durch die Wolga-Gegend und Süd-Ukraine auch
in den nordöstlichen Teil der Balkanhalbinsel gelangte. Die Maiskolbenschlinge
ist ein südliches Kulturelement bei den Tataren, das sie nur in der Dobrudscha
kennengelernt haben. Es ist wahrscheinlich, daß auch die Schlinge vom Sprenkel-
Typ ein uraltes eurasisches Kulturelement bei den Tataren ist (Abb. 5). Die
kulturhistorische Stellung der Schwippgalgenschlinge (Abb. 6—7) beansprucht
noch weitere gründliche Untersuchungen.
25 Vgl. R. H. Lowie, The Buffalo Driver and an Old-World Hunting Practise. A
cultural Parallel between the Lapps and the North American Indians. In: Natural
History, Vol. XXIII. New York 1923, S. 280—282.