Prof. Dr. R. Fr. Kaindl: Aus der Yolksüberlieferung der Bojken.
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die Wirte mit Wasser nach Hause gekommen sind,
werden mit demselben das Haus, der Hof und alle Wirt
schaftsgebäude besprengt. Hierauf wird aus diesem
Wasser und aus Mehl eine Art von dünnem Teig oder
Kleister gemacht, und mittels dieses an den Wänden
des Hauses, besonders bei Fenstern und Thüren, ferner
bei der Thür des Stalles Kreuze gezeichnet. Diese kann
man überall an den Häusern in Preslup, Jasien und
Perehinsko sehen, oft in grolser Zahl: sie haben den
Zweck, den Bösen fern zu halten. Außerdem pflegt
man an demselben Feste z. B. in den zwei letzt
genannten Gemeinden zu diesem Zwecke auch kleine
Kreuzchen aus Holz anzufertigen, dieselben mit den
geweihten Kräutern zu schmücken und mit Weih
wasser zu besprengen; die Kreuzchen werden oben
in die Thorbalken eingefügt, wo man sie ebenfalls das
Als bestes Mittel, von den Rindern die Maulseuche fern
zu halten, gilt ebenda geschabtes Eibenholz (tysena),
das man in Kleie mischt und dem Vieh zum Fressen
reicht.
Wie anderwärts bei den Bewohnern des Ostkarpa
thengebietes, glauben auch die Bojken, dais böswillige
Leute durch Zaubermittel einzelnen Wirten oder auch
der ganzen Gemeinde Schaden zufügen können. So
fanden etwa im Jahre 1895 die Leute von Jasien bei
einer Quelle, die unterhalb der verlassenen Mühle dielst,
folgenden Zauber. Der Abfluls der Quelle war gerei
nigt, damit das Wasser rasch abfliefse. Rechts und
links davon waren im feuchten Boden einige Fichtenbäum
chen eingesteckt, so da£s sie zwei Reihen bildeten. In
den Zweigen der Bäumchen steckten zahlreiche Steck
nadeln. Die Leute waren überzeugt, dais es sich um
Bojken-Tanz in Porohy.
Originalaufnahme von R. F. Kaindl.
Jahr über stehen lälst. Männer und Weiber pflegen in
Jablinka und Preslup am Jordanfeste, sobald das Wasser
geweiht wurde, in ihren Kleidern ins Wasser zu sprin
gen. Durch längere Zeit darf nach der Wasserweihe
in den Bächen und Flüssen Wäsche nicht gewaschen
werden, damit man das Wasser nicht entweihe. Am
Georgstage (Jurja), an welchem die Hexen ihr böses
Spiel besonders treiben, macht man auf die Thore über
dies Kreuzzeichen mit Teer oder ungereinigter Naphtha,
wie sie in jenen Gegenden auch an der Oberfläche der
Erde gewonnen wird. Manche bezeichnen diesen Brauch
allenfalls schon als Aberglauben (zabobony), aber
nichtsdestoweniger wird er wohl allgemein gepflegt.
Damit die Hexen den Kühen nicht schaden, ist es auch
gut, sie mit dem Kraut „Fetthenne“ (einer Art von
Mauerpfeffer, rozhodnyk) zu beräuchern (Preslup).
einen böswilligen Zauber zum Nachteile der Gegend
handle, und verdächtigten zwei Bauern, die aus dem
Flachlande gekommen waren, dieser Zauberei. Derselbe
Zauber hat sich 1898 in Preslup wiederholt. Auch da
hat man zwei Leute, die nach der Tracht aus dem be
nachbarten Kosmacz stammten, dieser Zauberei ange
klagt.
Angeschlossen mögen hier noch einige am Anfang
des 19. Jahrhunderts aufgezeichnete Aberglauben aus
Haus und Hof werden. Ein Holunderstrauch, der im
Garten gewachsen ist, darf nie unterwühlt (ausgegraben)
werden; eine alte morsche Weide, die an der Grenze des
Besitztums steht, darf nie umgehauen werden. Beide
Gebräuche dürften darin ihren Grund haben, dais diese
Sträucher und Bäume als Sitze des Bösen gedacht wer
den. Insofern es sich um Bäume an der Grenze han