Den Reigen der Europaͤerinnen moͤge die
germanische Frau
eroͤffnen.
Man teilt die Germanen in die Volks—
staͤmme der Deutschen, Niederlaͤnder, Skan⸗
dinavier (Daͤnen, Norweger, Schweden)
und Briten. Betrachten wir zunaͤchst
die deutschen Frauen.
„Willst du dich selber erkennen, so sieh,
wie die andern es treiben .. .“ Nach dem
Schillerschen Wort wird der Deutsche han—
deln muͤssen, der seine Landsmaͤnninnen
kennen lernen will. Er wird die Bekannt—
schaft fremder Frauen aufsuchen und ge—
legentlich auch hinhorchen muͤssen, was sich
daͤs Ausland von den deutschen erzaͤhlt.
UÜbrigens braucht die deutsche Frau vor
dem Urteil des Auslands nicht den Blick
zu Boden zu senken, denn uͤberall gibt es
Maͤnner, denen das deutscheWeib als das
Ideal einer Gattin vorschwebt. Weniger
guͤnstig denken auslaͤndische Frauen
uͤber ihre deutschen Schwestern. Sie
spoͤtteln uͤber diese „Sklavin eines
Mannes“, die sich fuͤr ihn und „seine“
Kinder aufreibt und niemals „sich
selbst“ lebt. Beilaͤufig ist der deutsche
Ehemann uͤberall verschrien als ein
schlimmer Haustyrann, der sein armes
Weib unterdruͤckt und seine uͤblen Lau—
nen nur zu gern an ihr auslaͤßt.
Was wir aus diesen Ansichten des
Auslands herausschaͤlen, ist zunaͤchst
eine schoͤne Eigenschaft der deutschen
Frau: die Hingabe ihres Lebens zum
Wohl der Familie. Vielleicht ist es
sogar die beste ihrer Eigenschaften. Alle
ihre Gedanken vereinigen sich in dem
einen, den Gatten gluͤcklich und zu—
frieden zu machen und, vielleicht mehr
aoch, ihre Kinder zu brauchbaren Men—⸗
schen zu erziehen. Fuͤr solche Ziele wird
die deutsche Frau das Wohl ihrer eige⸗
nen Person zehnmal hintan setzen, und
sicher faßt sie dabei ihre Handlungs—
weise nicht als einen Zwang, sondern
als eine freudige, von der Liebe ge—
tragene Pflicht auf. Wieviel bei diesem auf⸗
opfernden Leben dennoch auf den Druck des
Mannes zu setzen ist, wollen wir nicht unter—
uchen. Zu leugnen ist nicht, daß gewoͤhnlich
er deuische Ehemann von den ihm „tradi—
ionsmaͤßig“ zukommenden Rechten einen
ausgiebigen Gebrauch macht, indem er von
Anem Weib eine absolute Unterwerfung
unter die Herrschaft seines Willens verlangt.
Weiter hoͤrt man an der Deutschen die
Tiefe ihrer Liebe, ihre Treue und besonders
hre Bildung ruͤhmen, in der sie an erster
Stelle unter allen Frauen genannt wird.
Mag ihr Liebesleben auch weniger leiden⸗
chaftlich als das der Suͤdlaͤnderin sein, so ist
es doch, wie gesagt, tiefer, inniger, andau⸗
Ander. Waͤhrend die Liebe der Romanin
Abb. 789. Deutsche Frau.
Vermutlich fremdrassige Beimischung.)
—V