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fullscreen: Zeitschrift für Volkskunde, 86.1990

Buchbesprechungen 
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Jahrhunderte hinweg waren. Daneben berichtet der Band ebenfalls über die Haltung der 
Ausländsdeutschen zum ,Reich“. Auch bei Aussiedlern - von denen die meisten Texte stam 
men — reißen die Verbindungen zur früheren Heimat nicht ab. Das Buch ist also gleichfalls 
unter dem Blickwinkel der Interethnik bemerkenswert, nicht zuletzt für die Herkunft, 
Wanderung, Verbreitung und Adaption (z. B. Wolfsjagden, Kinderraub durch Zigeuner) der 
Erzählstoffe und -typen. Es entsteht dadurch eine pädagogische Dimension ohne erhobenen 
Zeigefinger: Sichtbarmachung der gemeinsamen Kultur, bürgernah und zum Anfassen so 
zusagen. Gerade die nie Grenzen respektierende Erzählüberlieferung verdeutlicht das 
grundsätzlich menschliche Miteinander besonders. Cammanns Formulierung zur erzähl 
forscherischen Intention des Bandes, „das [...] Buch soll [...] die Problemgeschichten für 
die Wissenschaft bringen“ (S. 190), läßt sich unter kulturpädagogischen Gesichtspunkten 
auch umdrehen: Das Werk liefert prohlemlösende Geschichtsüberlieferung. 
Dieser 38. Band der seit 30 Jahren bestehenden, nun schon fast enzyklopädischen Reihe 
der Kommission für ostdeutsche Volkskunde — die letzten 13 Bände innerhalb von fünf 
Jahren durch Ulrich Tolksdorf herausgegeben — schließt an Alfred Cammanns „Deutsche 
Volksmärchen aus Rußland und Rumänien“ (Göttingen 1967) an. Zehn der dort repräsen 
tierten Erzähler tragen auch zu dem rezensierten Band ßei, mehr als ein Dutzend neue kom 
men hinzu. Die größten Einzelrepertoires stellen Hermine Heilmeier (Krim, 30 Stücke), die 
auch eine Aschenputtelvariante wiedergibt, welche ihr als Kind der auf dem väterlichen Hof 
versteckte vermutliche Maxim Gorki erzählt hat, und Zitta Maurer aus der Ukraine mit 43 
Stücken. Weitere Erzähler stammen aus folgenden Gegenden: Bessarabien, Siebenbürgen, 
Maramuresch, Dobrudscha, Banat, wobei Siebenbürgen und Banat nur gestreift werden, 
weil dort mit Stephani, Konschitzky, Ilk und Schuster qualifizierte Sammler zur Verfügung 
stehen bzw. standen. Den zwei Märchen der Baltin Karin Boveland kommt insofern beson 
dere Bedeutung zu, als sie ihre eigenen Texte durch Scherenschnitte bebildert. Derartige ima 
ginative Interpretationen durch die Erzähler selbst haben Seltenheitswert. Andere Gewährs 
leute kommentieren Herkunft, „Anwendung“ und selbst vorgenommene Änderungen ih 
rer Geschichten. Ein Bildteil mit 73 schwarzweißen Abbildungen zeigt die Erzähler und 
ihren Lebensumkreis. Karten deutscher Siedlungsgebiete in der UdSSR und Südosteuropa, 
geographische und Namensregister sowie den Texten zumeist vorangestellte Lebensläufe der 
einzelnen Erzähler sind wertvolle Erweiterungen der Intention des farbig spannenden Bei 
trags zur Erzählforschung, dem man manches Chaos, manche Ungereimtheit der Redak 
tion durch den Autor gerne nachsieht. 
Bad Oeynhausen Rainer WEHSE 
HEINZ RÖLLEKE (Hrsg.), „Redensarten des Volkes, auf die ich immer horche“. Das Sprich 
wort in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Herausgegeben in Verbindung 
mit LOTHAR BlljHM. Bern/Frankfurt am Main/New York/Paris: Peter Lang, 1988. 227 S. 
(Sprichwörterforschung, Bd. 11). 
Basierend auf Untersuchungen von 1982 und 1985 und auf Vorarbeiten von Wolfgang Mie 
der ging Heinz Rölleke an die von Mieder geforderte „sehr detaillierte Analyse“ sprichwörtli 
chen Gutes in den „Kinder- und Hausmärchen“ (KHM) in Gestalt aller in der KHM vor
	        
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