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Volltext: Curare, 37.2014

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Editorials aus den Curare-Jahrgängen 1(1978) bis 3(1980) 
Individuen beschreibt [Kulturwandel, (Wieder-) 
Anpassung und psychische Störung am Beispiel 
von Patienten der Großen Kabylei, Nordalgerien, 
dt. und franz., S. 50-561, skizziert der Kieler Philo- 
soph Hermann SCHMITZ, was das durch Sachen de- 
terminierte „Klima“, in diesem Fall die Wohnwelt, 
für die seelische Gesundheit leistet (Was leistet das 
Wohnen für die emotional Stabilität, S. 57-63). 
Beide Autoren beschäftigen sich zwar unabhängig 
von Michael Wirschings Akzentsetzung, aber be- 
wusst im selben Themenrahmen mit dem (noch) 
konsistentesten „Raum“ menschlichen Umgangs, 
der Familie nämlich, und sie kommen implizit auch 
zu demselben Schluss, dass Ethnomedizin hier be- 
sondere Aufgaben zu erfüllen habe, wenn sie eine 
praktisch relevante Perspektive anstreben möchte. 
Demnach kann dieses Editorial nur mit der Auf- 
forderung abschließen, unserer Arbeitsrichtung 
noch mehr Praxisbezug im Sinne eines konsequen- 
ten Transfers von Erkenntnissen und Kenntnissen in 
kritisches Handeln zu verschaffen. Curare ist auch 
dafür gemacht worden, diesen Transfer zu doku- 
mentieren.* 
Dr. med. GERHARD RUDNITZKI, Zentralinstitut für 
Rehabilitationsabklärung und Rehabilitations- 
förderung, Neckargemünd. 
gen Ländern Afrikas dieses Verhältnis nicht höher 
als 1:2. Letztlich wird die Dramatik der Situation 
durch die Tatsache unterstrichen, dass am Ende des 
Jahrhunderts ein Drittel der Weltbevölkerung durch 
jene Kinder gebildet sein wird, die zwischen 1979 
und 2000 geboren werden — Alarmsignal für alle, 
denen es mit Beschwörungen um das Wohl des Kin- 
des ernst ist. 
Von den Beiträgen dieses Heftes nehmen einige 
in nachdrücklicher und gewichtiger Weise zu diesen 
Problemen Stellung; wenn sich dieses Editorial vor- 
nehmlich auf diese konzentriert, dann um der Sache 
willen. Im Übrigen gibt es in dieser Welt nichts, 
was nicht zwangsläufig auf das schwächste Glied 
der Gemeinschaft zurückschlägt — in diesem Sinne 
gehören die meisten Beiträge dieses Heftes in die 
gleiche Linie. 
Als Wulf Schiefenhövel im vergangenen Jahr auf 
dem Freiburger Pädiater-Kongress über das Kind 
bei Naturvölkern berichtete und Wolfgang Wolfers 
in der gleichen Sitzung seine eindrucksvollen Daten 
über die Pädiatrie in der Dritten Welt vorlegte, be- 
merkte ein Diskussionsteilnehmer sinngemäß, hier 
sei der Ansatzpunkt für eine Kinderheilkunde neuer 
Art. Dies kann nicht nur meinen, die (mit weniger 
als 10% aller Kinder ebenfalls minimale) Zahl der 
Schutzimpfungen zu erhöhen, sondern es ist ein 
Aufruf, der Phänomenologie des Kindesalters durch 
eine umfassendere Art des Verstehens und des Um- 
gangs mit Kindern gerechter zu werden. 
WuLF SCHIEFENHÖVEL macht mit Recht darauf 
aufmerksam, dass seit Margret Mead die Soziali- 
sationsforschung erheblich differenziertere Ansätze 
gewonnen hat, vor allem in der Interpretation der 
Befunde (Das Kind bei den Naturvölkern und bei 
uns, S. 79-86). Dass ein zugewandtes Sorgeverhal- 
ten gegenüber dem schutz- und sprachlosen Neu- 
geborenen und Kleinkind offenbar in allen Ethnien 
das elementar Menschliche ist, trägt dabei ebenso 
sehr Herausforderungscharakter wie die Häufung 
der Befunde über die Verhaltensunsicherheiten- und 
-störungen im Laufe der weiteren Entwicklung. 
Es wird schwer sein — auch die Beiträge dieses 
Heftes geben davon Zeugnis — sich von der Gefahr 
der Überinterpretation frei zu halten, gerade im 
Falle kindlicher Phänomene innerhalb vorrationa- 
ler Kulturen. Wie glücklich ein Papua-Kind lebt, 
können wir nur mühevoll und mit allen Vorbehalten 
ablesen, da wir selbst immer nur Erwachsenenfra- 
gen stellen können und uns selbst die Erwachsenen- 
Editorial in Curare 2(1979)2: 67-68 
Alle pflichtgemäßen und gutwilligen, sachkun- 
digen und ignoranten Erwachsenenbeiträge zum 
Jahr des Kindes 1979 werden an unüberhörbaren 
Zahlen gemessen werden müssen, die am 7. April 
1979 von der WHO publiziert worden sind: 12 Mil- 
lionen Neugeborene des Jahres 1978 werden vor 
der Vollendung ihres ersten Lebensjahres sterben, 
davon 77% in Afrika und Südasien. Von den 1% 
Milliarden Kindern auf der Welt leben 81% (122C 
Millionen) in Entwicklungsländern. Ihre Lebens- 
welt ist charakterisiert durch Mangel an Ernährung. 
Sauberkeit, Lebensraum, Pflege und Zuwendung. 
Der Sterblichkeit der Säuglinge in Schweden 
— das Land mit der niedrigsten Mortalität — liegt 
bei 8,3:1000; in einigen Ländern der Dritten Welt 
müssen dagegen 200:1000 angenommen werden. 
Während ein Kind in den Industrieländern mit einer 
Chance von 1:40 damit rechnen kann, das Kindes- 
und Jugendalter gesund zu überstehen. ist in eini- 
/WR -— Verlag für Wissenschaft und Bildung
	        
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