Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XLV (1997)
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portierten Konservenprodukten zu einer gesünderen Ernährung zurückzukeh
ren, wird nicht nur von Projektbeteiligten für die Marshall-Inseln, sondern auch
im größeren pazifischen Kontext betont. 11
- Die Kosten für ein traditionelles, hochseetüchtiges Auslegersegelboot liegen mit
ca. US $ 1000 drei bis vier Mal niedriger als die eines entsprechenden Motor
bootes. Die Anschaffungskosten für ein kleines Auslegerboot korkor liegen noch
mals erheblich niedriger: Auf Namorik betrugen sie während eines dortigen
Aufenthaltes im Frühjahr 1993 US $ 30 - 50. Während bei einem traditionellen
Boot nur geringe laufende Reparaturkosten anfallen, ist erfahrungsgemäß für
moderne Boote mit einem Außenbordmotor immer mit größeren Erhaltungsko
sten zu rechnen. Diese entstehen in Folge von Beschädigungen hauptsächlich
durch das scharfkantige Korallengestein im flachen Wasser der Lagunen und
bringen teilweise einen mehrmonatigen Verdienstausfall mit sich (Johnson
1992:65, Alessio 1992 u. 1993).
- Die Bewohner der Marshall-Inseln erkennen zunehmend, daß ihre traditionel
len Auslegerboote als eine optimale Anpassung an ihre maritimen Lebensver
hältnisse zu betrachten sind und sie stolz auf eine eigenständige Tradition zu
rückblicken können. „Western ideology has conditioned people in the Marshalls
to believe Western things are better“ (Alessio in Johnson 1992:64) ... „The
Marshallese realize now that their canoes are pretty good. They thought before
that if the canoes were any good, than Americans would be using them“ (Alessio
in Ramirez 1992:1). Für den einheimischen Alson Kelen zeichnet sich durch die
Wiederbelebung des traditionellen Bootsbaus eine Chance ab, die künstlichen
Barrieren zwischen dem vermeintlich modernen Majuro und den vermeintlich
rückständigen „Guter Islands“ zu überwinden. Seiner Auffassung nach bilden
traditionelle Boote ein Symbol für eine von Müll und Umweltproblemen befrei
te, auf eigene Ressourcen rekurrierende Zukunftsgesellschaft. Er erinnert daran,
daß die Grundlagen der Subsistenzwirtschaft auf einem Atoll Fischfang und
Kokospalmen sind - und auch in Zukunft bleiben sollten (Kelen 1993; vgl. auch
Vijayakumar 1993 u. Winter 1997).
- Vor dem Hintergrund der politischen und ökonomischen Abhängigkeitsstrukturen
der Marshall-Inseln von den USA und den damit verbundenen unübersehbaren
negativen Folgen („Bikini-Trauma“, familiäre Verwerfungen, soziale Entwur
zelungen, Alkoholismus und eine hohe Suizidrate insbesondere in Majuro, vgl.
11 „The people have realized the economic importance of their outrigger canoes as a fishing and transport
vessel... The outrigger sailing canoes prove their worth time and time again as the men who use them
not only have a true sense of self reliance, these men also contribute substantially to the islands’ resource
of protein which obviously produces wealth“ (Alessio 1992). Vgl. auch Crocombe (1992:6f).