1
Abb. 4. Ilóm. Departamento Quiche.
Für die Altertümer von Ilom ist charakteristisch, daß sich zwei verschiedene Stilarten
unterscheiden lassen. Der einen, der auch das eben beschriebene Stück angehört, sind künst
lerisch hochstehende Tongefäße zuzurechnen, die andere umfaßt roh gearbeitete Gefäße,
die eher auf eine späte Entstehungszeit hinweisen, als die alte Mayakunst schon in Verfall
geraten war.
In die erstere Gruppe sind schöne bunt bemalte Tonschalen einzureihen (Abb. 3). Die
eine zeigt in der Schalenfläche eine nur in Resten erhaltene Figur (Abb. 4), deren Umrisse
ähnlich den Blütenmustern zu sein scheinen, wie sie in den Fresken von Palenque auftreten
und vonSeler beschrieben worden sind 2 . Diese ist von einem Kranz von Dreiecken umgeben,
deren Flächen mit parallelen Finien bedeckt sind. Dreieckmuster dieser Art habe ich als
Ritzzeichnungen auf Tonscherben aus San Andres Osuna an der pazifischen Küste von
Guatemala gefunden.
Die Schalenfläche wird durch einen erhöhten, nach außen gebogenen Rand begrenzt,
der auf orangefarbigem Grunde ein aus gekreuzten Bändern bestehendes Muster zeigt Die
weißen Bänder sind mit dunklen Punkten besetzt. In den Zwickeln zwischen ihnen ist der
freie Raum durch helle rhombische Figuren erfüllt, die in der Mitte der Rhombenfläche je
einen dunklen Fleck tragen. Diese Randzeichnung ist nach oben und unten durch dunkle
Finien abgesetzt. Der nach außen gebogene Teil des Randes trägt wiederum Dreiecke mit
Strichzeichnung.
Auffällig ist die äußere Verzierung der Schale. Sie wird durch einen Kranz abstehender,
durchbohrter Zapfen gebildet, wie sie aus anderen Gegenden das Mayagebietes oder Mexicos
m. W. noch nicht bekannt geworden sind. Eine Vorstufe dazu sind die Tonschalen, die Eric
1 Thomas Gann, Mystery Cities, London 1925, Titelbild.
2 Ed. Selen Beobachtungen u. Studien in den Ruinen
von Palenque. (Abh. d. Preuß. Akademie d. Wiss.
Phil.-histor. Klasse, Berlin 1915, S. 1x5).