l^: R. Pietschmann:
eines Volkes, und ich will nur erwähnen, dass wir mit grosser Wahrschein-
lichkeit mit De Rouge den Namen eines derselben, der ”Anamim sowohl
in dem ‚nördlichen An‘ (biblich On=Heliopolis) wie in dem südlichen
An (— Xermonthis) und vielleicht auch in dem Namen Ant- für Tentyr®
wiederzufinden haben. De Rougé hat bereits darauf aufmerksam gemacht,
dass mit diesen Stätten der Dienst der Hathor verbunden ist!). Es scheint
mir das um so belangreicher, weil sich auch anderweitig eine derartig®
Parallele in Gôtter- und Ortsnamen zwischen oberügyptischen und unter”
ägyptischen Landschaften durchführen liesse, welche wohl auf die gleiche
Herkunft der dort hausenden Bevölkerung einen Schluss zu ziehen erlaubte
Das Klima des Nilthales, welches von einem sogenannten Mittelmeerklim
an der Deltaküste sich allmählich zu einem tropischen steigert, und die
Naturbeschaffenheit dieses langgestreckten Thales mit seinen stellen weise
dicht an die Flussufer heranrückenden Bergen, bildete für seine ackerbaw
treibenden, sesshaften Bewohner ohnehin einen nmatürlicken Anlass, dass
solche einmal bestehenden Stammesunterschiede örtlich fixirt und begünstigt
wurden.
Dieser politischen Spaltung in lauter Staaten im Staate entspricht auch
die Zersplitterung des ägyptischen Kultus. Mit den griechischen Andes”
tungen übereinstimmend zeigen die ägyptischen Nomenlisten uns nicht nu
die Namen der jeglichem Gau zugehörigen Städte, Felder, Triften usd
Kanäle, sondern auch die Benennungen der daselbst verehrten Götter, ihre
Priester, heiligen Bäume und Barken und derjenigen Thiere, deren Genus
ihren Insassen versagt war. Ob die letzteren Speisegebote so aufzufasse®
sind, wie die sonst in Afrika vielfach auftretenden Vorschriften und Gelübde
welche die Wirksamkeit der ererbten Fetische von der strengen Enthal
samkeit vom Genusse einzelner Nahrungsmittel abhángig machen, oder dere
Beobachtung bestimmten Stünden obliegt?), muss dahingestellt bleiben, da
bekanntlich derartiges auch bei Vólkern clt, welche in der Wahrung dieser
Beschränkungen nur ein Symbol ethischer Reinheit sehen. Jedenfalls hielten
die Aegypter es mit diesen Satzungen so streng, dass der, in den Traditiones
der nach Napata (Mero&) ausgewanderten thebaischen Priesterschaft erzogen“
Kónig Piány: z. B. nur diejenigen Dynasten des Delta seinen Pallast
betreten liess, welche ebenso wie er keine Fische essen durften. Mit dem
Thierdienste zeigt sich eine Verbindung dieser Verbote insofern, als me^
1) Neuerdings erklàrt Brugsch (R. naeh d. grossen Oase el-Khargeh, 68) die "4namift
für Bewohner eines Bezirks der Oase El- Xargeh, der Kenem hiess; de Rougé's Erklärung
(Mém. s. les monum. qu'on peut attribuer aux six premières dynasties, 6—7) würde damit
hinfällig. Doch wenn Kenem=Tanaim wäre, müsste es (vergl. Zeitschr. f, ág. Spr. 4?
129) vielmehr Qenem geschrieben werden.
2) Nur in Guinea scheinen diese Speisevorschriften ganzen Ortschaften eigen und eit
Unterscheidungsmerkmal derselben zn sein. Beachtenswerth ist dass auch hier sich det
Thierdienst dazu gesellt. Vergl. Rómer (l. l. 72), Bowdich (l. 1. 376), Bastian (Geogr. und
ethn, Bilder, 160f,), u. a.
IY