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Objekt: Der Vogt von Sylt

Der Vogt von Sylt. 
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„Dann muß ich ihm für dies Vertrauen danken“, ver— 
setzte Lornsen, den spottenden Blick des Barons ruhig aus— 
haltend. 
„Nun, lassen wir das auf sich beruhen“, sagte der alte 
derr. „Da kommt die Möweneierpastete und hier der damp— 
fende Teekessel. Ich bin begierig, zu erfahren, ob die Kochkunst 
mehr wahren Inhalt hat und mehr nach meinem Geschmäck ist 
als die Politik 
Der Baron aber war wirklich bald mit der Kochkunst in 
hohem Grade ausgesöhnt. Der Eierkuchen von Möweneiern 
war so locker, daß er auf sein Wort versicherte, ex könne in 
Kopenhagen nicht besser gemacht werden, und als ein paar 
frischgeschossene Waldschnepfen, die auf ihren Wanderzügen weit 
über alle Inseln streifen, auf dem Tisch erschienen, endlich 
aber ein halbes Dutzend der köstlichsten Seezungen den Schluß 
machten, fand er, daß es doch gar nicht übel sei, auf kurze Zeit 
in dem Hause eines Friesen auf den Halligen zu leben. 
Dabei fehlte es nicht an gutem Wein, den Lornsen aus 
der Schlupp holen ließ, und am Schluß des Mahles erschien 
sogar eine Büchse mit vortrefflichen eingemachten westindischen 
Früchten, welche der Halligbewohner von einem Kapitän er— 
halten hatte, dessen Schiff er jungst durch die Lystertiefe führte. 
Der alte Herr spitzte die Lippen und eine gewisse Verklärung 
saß in seinen Augenwinkeln Ich haͤtte es niemals geglaubt,“ 
rief er, „in diesem öden Winkel der Erde so prächtige Dinge 
anzutreffen.“ — 
„Eie könnten leicht in noch größeres Erstaunen geraten, 
herr Staatsrat,“ sagte Lornsen lächelnd, „wenn Sie einmal 
nach Sylt kämen zur Zeit, wo die friesischen Kapitäne aus 
damburg, Bremen und Holland zurückkehren, um den Winter 
bei ihren Familien zu verleben. Da wimmelt es von Raritäten 
und Köstlichkeiten aller Art aus aller Herren Länder. Der eine 
it aus Indien wiedergekehrt, der andere aus Chile, dieser aus 
Afrika, jener aus Jamaika, und jeder hat mitgebracht, was 'er 
zumeist für schön, selten oder behaglich hielt.“ 
‚Das muß ein lustiges und merkwürdiges Leben sein“, 
rief der alte Herr. 
„Ein Leben, das den Menschen immer wieder hinaus—
	        
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