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Globus, 6.1864

Zugriffsbeschränkung

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Nutzungslizenz

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Bibliographische Daten

fullscreen: Globus, 6.1864

Zeitschrift

Strukturtyp:
Zeitschrift
Werks-URN (URL):
https://digi.evifa.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:kobv:11-714789
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-714789
Persistenter Identifier:
BV041701500
Titel:
Anthropos
Untertitel:
internationale Zeitschrift für Völker- u. Sprachenkunde
Weitere Titel:
Anthropos
Erscheinungsort:
Fribourg
Verlag:
Ed. St. Paul, Anthropos-Institut
Erscheinungsjahr:
1906
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie
Wissensgebiet:
Sozial- und Kulturanthropologie > Allgemeines

Zeitschriftenband

Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Werks-URN (URL):
https://digi.evifa.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:kobv:11-709545
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-709545
Persistenter Identifier:
DE-11-001871386
Titel:
Anthropos, 29.1934
Erscheinungsjahr:
1933
Signatur:
LA 1118-29
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Hinterer Buchspiegel

Strukturtyp:
Hinterer Buchspiegel
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

  • Globus
  • Globus, 6.1864
  • Vorderer Einband
  • Vorderer Buchspiegel
  • Vorsatzblatt
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis: Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis: Illustrationsverzeichnis
  • Leerseite
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Schultz, Woldemar: Aus meinem brasilianischen Tagebuche. I.
  • ..t.: Die Katholischen Missionen nach Lhassa bis nun Jahre 1864
  • Kaiser: Die ägyptische Hieroglyphenschrift und ihre Erklärer. II.
  • Heinrich von Maltzahns Besuch in der Hauptstadt Marokko im Jahre 1859. II.
  • A.: Die Bedeutung der Hausthiere für die Kulturentwickluug der Völker. III. Der Elephant
  • Nachrichten über die Insel Formosa
  • Leben und Treiben in den Grubenrevieren Ostsibiriens
  • Zur Kennzeichnung der Zustände Ostindiens
  • Aus allen Erdtheilen
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Zeitschriftenheft
  • Nachsatzblatt
  • Hinterer Buchspiegel
  • Hinterer Einband
  • Farbkeil

Volltext

Heinrich von Maltzahns Besuch in der Hauptstadt Marokko im Jahre 1859. 
113 
vernahm. Obendrein erbot sich Mule Small, ihn sofort 
deur Monarchen vorzustellen, denn am Hofe von Marokko, 
wo keine Anmeldungen zn Audienzen stattfinden, geht 
Alles in kindlicher Einfachheit zu. Indessen zögerte Herr 
voir Maltzahn, weil sein Wirth ihm in spanischer Sprache 
bemerkte, daß es immerhin gewagt sei, sich in europäi 
scher Tracht allein mit dem stets in fromme Träumereien 
versunkenen Heiligen in die Manrenstadt zu wagen, und 
deshalb deutete der Rumi an, er wolle vor Seiner Maje 
stät erscheinen, wenn derselbe ihm ein Geleit sende. 
Der Heilige ging, und nach einigen Stunden mar- 
schirten etwa zwanzig „Bettelsoldaten", Leibwächter des 
Kaisers, auf. Diese „barbarischen Satelliten" kehrten im 
Hause Mosche's alles Unterste zn Oberst. 
Damals, im Jahre 1859, regierte noch der alte Mule 
Abderrhamau. Der kaiserliche Palast liegt außerhalb der 
Ringmauern, grenzt aber an dieselben; von den bewohn 
ten 'Quartieren ist er durch einen etwa 1000 Schritte 
breiten Platz geschieden; man kommt auf denselben durch 
das Bab er Rum, d. h. das Thor der Christen. Die 
„Palaststadt" füllt einen bedeutenden Raum aus, denn 
seine Länge beträgt eine halbe deutsche Meile, die Breite 
etwa halb so viel. Er ist von Mauern umgeben, aber 
kauin zunr achten Theil wirklich mit Gebäuden ausge 
füllt; Paläste, Landhäuser, Pavillons und Kioske liegen 
über den ganzen Flächeninhalt zerstreut, sodaun auch, in 
schönen Gärten, die Harems. 
Die Leibgarde des Kaisers bestand zumeist ans Ne 
gern; sie trugen eine Uniform, welche jener der franzö 
sischen Znaven nachgeahmt war. Jedoch die meisten Gar 
disten sahen abgerissen und schmutzig aus, unterschieden 
sich aber trotzdem noch Vortheilhaft von der gewöhnlichen 
Artillerie des Kaisers, welche Herr von Maltzahn als 
wahre Bettelsoldaten bezeichnet, w'eil sie gar zn arm 
selig aussehen und alles Mögliche fordern. 
Im Vorhof erschien Mule Small, durch dessen bese 
ligende Nähe die Neger hochbeglückt waren. Die Hei 
ligen machen in der ganzen Welt bei den Leichtgläubigen 
gute Geschäfte. Mule Small mußte, ans Wunsch und 
Andrang der schwarzen Soldaten, ihren Speisen den 
Segen geben, und in welcher Weise that er es? Der 
Augenzeuge, Herr von Maltzahn, sagt es uns. Der 
Heilige spie in die Schüssel hinein, deren Inhalt daun 
tapfer umgerührt wurde. Die Soldaten verschlangen mit 
Gier das gesegnete Gericht. 
Ans diesem Vorplatze gelangte Herr von Maltzahn in 
zwei andere offene Höfe, nämlich in den „Garten der 
Gesundheit" und den „Garten der Palme"; dann durch 
schritt er noch drei große Höfe, die von stallartigen Ge 
bäuden umgeben waren. In diesen wohnt die Neger 
garde und ein Theil der Reiterei. Der mittlere Hof 
gleicht dein eines großen Karawanserais, und der Kaiser 
gab dort gewöhnlich am frühen Morgen Audienz; ein 
vierter Hofraum ist von schönen Säulengängen um 
schlossen, und in ihm hält die auserlesene Mannschaft der 
Negergarde Wacht. Endlich folgt noch ein Hof, jener 
der Adjutanten, unter denen man sich freilich keine Offi 
ziere europäischer Art vorstellen darf; denn sie waren, 
etwa 20 an der Zahl, „beduinenartig gekleidete Kerle 
von rohem Aussehen". Sie bekümmerten sich wenig um 
den Heiligen und um den Fremden; dagegen trat ein 
alter Mann zu diesen Beiden und geleitete sie durch ein 
Vorzimmer in einen „Garten der Rosen", in welchem 
jedoch wenige dieser Blumen vorhanden waren. Herr 
von Maltzahn mußte dann vor einem Pavillon (einer 
Knbbab), welcher als Saal der Privatandienzen bezeich 
net wurde, seine Fußbekleidung ablegen, d. h. er zog die 
marokkanischen Babuschen ab und behielt, nach türkischer 
Sitte, dünne Stiefel von Corduanleder an, weil Leder 
umhüllung ohne Sohlen nicht für Schuhwerk gehalten 
wird, sondern die Stelle unserer Strümpfe vertritt, die 
übrigens bei den Arabern niemals gebräuchlich waren. 
Aber die geheiligte Gegenwart des Nachfolgers der spa- 
Globus VI. Nr. 4. 
nischen Chalifen durfte durch keine Lederhülle auf deu 
Füßen veruuehrt werden, und der Fremde durfte nur 
Socken anbehalten. 
So trat er in das Staatsgemach des Kaisers, 
ein ganz kahles Zimmer ohne alles Geräth; es sah ganz 
kahl ans, nur die Wände waren mit europäischen Spie 
geln behängt. Auf der einen Seite des Saales lag eine 
doppelte Strohmatte, welche dem Hofstaate statt der Ruhe 
kissen diente; die andere Hälfte hatte keine Decke, und 
man sah den nackten, weiß und schwarz, schachbretartig 
ausgelegten Fußboden. 
In einer Ecke des Saales hockte mit gerade empor 
gerichteten Knien auf einer Strohmatte ein uralter Greis 
init langem, weißem Bart, stark gerunzelten Gesichtszügen, 
einer Negernase, dicken Lippen, einer Gesichtsfarbe, welche 
den Qnadronen erkennen ließ, und kleinen funkelnden 
Augen. Das war Mule Abderrhamau, Beherrscher 
der Gläubigen, Gebieter von acht Millionen Unterthanen 
und geistliches Oberhaupt aller Muselmänner, welche sich 
zum Ritus der Maleki bekennen, einer der vier großen, 
rechtgläubigen Abtheilungen der Mohammedaner. Um 
ihn herum lagen, hockten oder kauerten auf der Stroh 
matte des Fußbodens die Großen des Reiches, etwa 40 
an der Zahl, zumeist alte, weißbärtige Männer. 
Der Kaiser bedeutete dem Fremden durch einen Wink, 
auf einer Matte sich niederzulassen. Der heilige Mann 
Mule Small ging ohne Weiteres auf den Monarchen 
zn, ergriff die Hand desselben und kiißte dann seine eigenen 
Fingerspitzen an der Stelle, mit welcher er die kaiserliche 
Rechte berührt hatte. Ueberhanpt war von eigentlichem 
Ceremoniell gar keine Rede, und die Anwesenden schenkten 
dem Europäer, der doch an jenem Hofe eine seltene Er 
scheinung war, gar keine Beachtung. Das erfordert der 
Ausland; es ist gegen alle gute Sitte, Neugier oder Er 
staunen blicken zu lassen. Auch der Kaiser schenkte dem 
Fremden vorerst weiter keine Aufmerksamkeit, sondern 
fuhr in einem Gespräch mit dem ihm zunächst sitzenden 
Manne fort. Auch wurden keine Pfeifen gereicht, und 
von Kaffee oder dem in Marokko beliebtern Thee war 
keine Rede. 
Auch in Marokko darf man in Gegenwart des Herr 
schers nur sprechen, wenn man von ihm angeredet wird. 
Nach einer Weile that der Sultan eine Frage über die 
Reise des Fremden, der in Rücksicht auf die Etikette eine 
sehr kurze Antwort gab. Dann wieder Schweigen; nach 
längerer Pause abermals eine kurze Frage, kurze Antwort, 
noch einmal Panse, — so verlief die ganze Audienz; 
„unterhaltend war sie eben nicht", aber der würdevolle 
Ernst, welcher über die ganze Versammlung ausgegossen 
schien, verfehlte doch den Eindruck nicht. Das Ganze 
war patriarchalisch, jeder Lnrus und äußere Nimbus man 
gelte; der Herrscher benahm sich einfach, aber würdevoll. 
„Alles contrastirte grell mit unseren oft allzu vergnügungs 
süchtigen, luxuriösen Höfen, und der Vergleich fiel zu 
Gunsten des marokkanischen Hofes ans. Als Europäer 
konnte ich zwar nicht umhin, die Mauren, den Kaiser 
und den Hof wegen ihres kulturhistorischen Verfalls und 
ihrer Rückständigkeit in der Civilisation zu bemitleiden, 
aber ich mußte mich dennoch vor dieser ehrwürdigen, ge 
messenen Versammlung, vor dieser imponirenden, würde 
vollen Einfachheit in tiefem Respekt verneigen." 
„Die wenigen Fragen, welche Mule Abderrhamau an 
mich richtete, bewiesen seine rührende Ignoranz und die 
kindliche Naivetät seiner Begriffe. Von europäischen 
Staats- und Negierungsformeu hatte er keine Ahnung. 
Er schien z. B. offenbar unter dem Eindruck zu laboriren, 
als sei die französische Republik vom Jahre 1848, deren 
Kunde bis zn ihm gedrungen war, und welche er auf 
den Münzen als idealen Franenkopf abgebildet gesehen 
hatte, wirklich ein weibliches Geschöpf gewesen. Er fragte, 
ob ich^die Bublick gesehen und ob der jetzige Beherr 
scher Frankreichs diese Dame geheirathet und von ihr 
das Regiment überkommen habe? Auch von England 
15
	        

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