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Curare, 14.1991

Zugriffsbeschränkung

Für diesen Datensatz liegt keine Zugriffsbeschränkung vor.

Nutzungslizenz

Der Status des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte für diesen Datensatz wurde nicht geprüft oder ist unklar. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen an die Organisation, die das Objekt zur Verfügung gestellt hat.

Bibliographische Daten

Bibliographische Daten: Curare, 14.1991

Zeitschrift

Strukturtyp:
Zeitschrift
Werks-URN (URL):
https://digi.evifa.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:kobv:11-714788
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-714788
Persistenter Identifier:
BV035173706
Titel:
Zeitschrift für Ethnologie
Untertitel:
ZfE
ISSN:
0044-2666
Erscheinungsort:
Berlin
Verlag:
Reimer
Erscheinungsjahr:
1869
Lizenz:
Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0)
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie
Wissensgebiet:
Sozial- und Kulturanthropologie > Allgemeines

Zeitschriftenband

Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Werks-URN (URL):
https://digi.evifa.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:kobv:11-748835
URN:
urn:nbn:de:kobv:11-748835
Persistenter Identifier:
1731674842418
Titel:
Zeitschrift für Ethnologie, 145.2020
Untertitel:
ZfE = Journal of social and cultural anthropology : JSCA
Weitere Titel:
ZfE
Herausgebendes Organ:
Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie
Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte
Erscheinungsort:
Berlin
Verlag:
Reimer
Erscheinungsjahr:
2020
Größe der Vorlage:
Online-Ressource
Signatur:
LA 7600
Lizenz:
Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0)
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Bd. 145, 2020, Heft 1, Special Section: Envisioning Anthropological Futures (and Provincializing their Origins)
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Zeitschriftenrezension

Strukturtyp:
Zeitschriftenrezension
Titel:
Edenheiser, Iris und Larissa Förster (Hg.): Museumsethnologie – Eine Einführung. Theorien, Debatten, Praktiken
Sonstige Person:
Malefakis, Alexis
Sammlung:
Zeitschriften und Zeitungen > Zeitschriften zur Ethnologie

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

  • Curare
  • Curare, 14.1991
  • Vorderer Einband
  • Vorderer Buchspiegel
  • Vorsatzblatt
  • Zeitschriftenheft: Vol 14 (1991) 1+2: Krankheitsbegriff und Krankheitserleben. Ethnomedizinische Ansätze als Grundlagen von öffentlichen Planungen und Entscheidungen im Gesundheitswesen
  • Zeitschriftenheft: Vol. 14 (1991) 3: Metapher und Symbol
  • Zeitschriftenheft: Vol. 14 (1991) 4
  • Titelseite
  • Sonstiges: Zum Titelbild
  • Impressum
  • Inhaltsverzeichnis: Inhalt Vol. 14, 4/91
  • Autorenindex: Die Autoren dieses Heftes
  • Vorwort: Quo vadis curare? - die unendliche Geschichte. Editorial
  • Werbung
  • Maretzki, Thomas W.: Einsichten für die Planung von Medizin in pluralistischen Gesellschaften
  • Werbung
  • Schiefenhövel, Wulf: Ethnomedizinische und verhaltensbiologische Beiträge zur pädiatrischen Versorgung
  • Prinz, Armin: Die Lyme-Borreliose als "Culture-bound Syndrome" bei den Azande Zentralafrikas. Beispiel einer ethnozentrischen Fehlinterpretation
  • Vogt, Dierk-Christian: Suero casero als Heiltee. Ein Vorschlag zur Anpassung eines Therapiekonzeptes der WHO an traditionelle Behandlungsstrategien im Valle des Depto. Cochabamba, Bolivien
  • Schmidt, Bettina E.: Zur medizinischen Versorgung der Purhépecha in Tarecuato, Mexiko
  • Bloomfield, Siosiane F.: Geburtshilfe im Umbruch - Arbeit und Weiterbildung traditioneller Hebammen in Tonga
  • Dreezens-Fuhrke, Joyce: Kesawanan. Zum traditionellen Verhalten bei Kinderkrankheiten auf Java
  • Werbung
  • Zeitschriftenrezension: Buchbesprechungen / Book Reviews. Ein Kommentar zu Nichter Mark 1991. Ethnomedicine: Diverse Trends, Common Linkages. Commentary. Medical Anthropology 13, 1-2. Special Issue: Recent Trends in Ethnomedicine. Guest Editor: Mark Nichter
  • Zeitschriftenrezension: Wen-Shing Tseng & Jing Hsu 1991. Culture and the Family. Problems and Therapy
  • Zeitschriftenrezension: Elrod Norman 1992. 500 Years of Deception, A Classic Case in the 20th Century, Erik H. Erikson's Portrayal of the Native American
  • Zeitschriftenrezension: Hollweg Mario Gabriel. 1991, Locura, Cultura y Magia. Aspectos Transculturales de la Psicologia y la Psicopatologia Boliviana
  • Zeitschriftenrezension: Berg Heinrich, KROEGER Axel, Perez-Samaniego Carmen, Malo Fernando, 1989. Kranke Menschen - Krankes Gesundheitswesen? Eine epidemiologische Untersuchung in Nord-Mexico
  • Zeitschriftenrezension: Sich D., Diesfeld H.J., DEIGNER A., Habermann M. (Hrsg.) 1988. Medizin und Kultur - Drei Grundseminare in Kulturvergleichender Medizinischer Anthropologie - Entwurf einer Propädeutik für Studenten der Medizin und der Ethnologie. Modellversuch Lehrangebot Medizin in Entwicklungsländern. Materialien Nr. 12
  • Zeitschriftenrezension: Kuhn Alice S. 1988. Heiler und ihre Patienten auf dem Dach der Welt. Ladakh aus ethnomedizinischer Sicht. (Medizin in Entwicklungsländern; Bd. 25)
  • Zeitschriftenrezension: Kühn Rolf 1991. Sinn - Sein - Sollen. Beiträge zu einer phänomenologischen Existenzanalyse in Auseinandersetzung mit dem Denken Viktor E. Frankls
  • Zeitschriftenrezension: Skrabanek Petr, McCormick James (1991) Torheiten und Trugschlüsse in der Medizin
  • Sonstiges: Büchereingänge / Books received. Literatursammlung der AGEM
  • Register: Index Vol 13 (1990) und 14 (1991)
  • Nachsatzblatt
  • Hinterer Buchspiegel
  • Hinterer Einband
  • Farbkeil

Volltext

198 
der Geburt eines Kindes eine hormonal bedingte 
Fehlleistung eingebaut hätte, die die Mutter 
außerstand setzt, den so wichtigen frühen Bin- 
dungsprozeß unter günstigen Voraussetzungen 
zu beginnen. 
Daß eine solche Betrachtung mehr ist als ro- 
mantische Verklärung primordialer Verhaltens- 
Muster, mag unter anderem daran deutlich wer- 
den, daßin etlichen Gesellschaften dieses Typus, 
stwa im Bergland von Neuguinea, die Mortali- 
lätsrate im ersten Lebensjahr trotz des völligen 
Fehlens moderner medizinischer (v.a. antibioti- 
scher) Eingriffsmöglichkeiten nur um 5% liegt 
(SCHIEFENHÖVEL 1988). Gemessen an ei- 
nem Sterblichkeitsrisiko, das in vielen sogenann- 
ten Entwicklungsländern heute 20% und mehr 
erreicht, ist das ein Hinweis darauf, daß die For- 
men der Lebensbewältigung in diesen kleinen 
isolierten Ethnien so schlecht nicht gewesen sein 
können. Aus den Befunden läßt sich die Aus sage 
kondensieren, daß kleine Gruppen unter neoli- 
thischen Bedingungen lebender Menschen im 
Inneren Neuguineas in mancherlei Hinsicht Mo- 
dellfunktion bezüglich der frühen Sozialisation, 
insbesondere ihrer evolutionsbiologischen und 
kulturellen Grundlagen, haben können. 
Das Diagramm in Abb, 3 repräsentiert eine 
Momentaufnahme im Strom der Interaktionen 
mit Kleinkindern. Der schon sehr selbständige, 
18 Monate alte Bub Beres, der im Dorf und den 
verschiedenen Gärten auf eigene Faust kleine 
Ausflüge und Erkundungen unternahm, also 
keinesfalls an den „Rockschössen“ der Mutter 
klebte, war während ca. 60% der Tagesstunden 
in Zeit von etwa 5 h bis etwa 16 h in Körper- 
kontakt zu ihn betreuenden Personen. Wegen 
des Fehlens weiterer Kleidung bei den Erwach- 
senen, die nur Grasschürzchen, bzw. Peniskale- 
bassen tragen, bedeutet Körperkontakt hier stets 
auch Hautkontakt. Etwa die Hälfte dieses Ge- 
samtaufkommens an Körperkontakt wurde in 
der Mutter-Kind Dyade realisiert. In die andere 
Hälfte teilten sich der Vater und andere Perso- 
nen. 
Die Berührungen waren unterschiedlicher Art: 
Halten, Tragen auf der Schulter, der Hüfte, im 
Netzbeutel (auch während des Schlafs), Sitzen auf 
den Oberschenkeln von Erwachsenen oder Ju gend- 
lichen und Gestillt-Werden. Der Vater trug den 
Säugling vor allem auf den unwegsamen Pfaden zu 
den Gärten. Aber auch zu anderen Zeiten waren 
Vater und Sohn eng beisammen, etwa am Wohn- 
haus, wo er ihn hielt und mit ihm spielte. wenn die 
_____ SCHIEFENHÖVEL 
Mutter für kürzere Zeit nicht anwesend war. Mit 
einer Reihe anderer Personen war das Kind eben- 
falls in Körperkontakt: mit Kindern, J ugendli- 
chen, Männern und Frauen verschiedenen Alters, 
die verwandt oder aus der Nachbarschaft, d.h. 
stets gut bekannt waren. 
In der Nacht wird das ohnehin hohe Ausmaß 
an Körperkontakt nochmals gesteigert, da Säug- 
linge und Kleinkinder am Körper der Mutter 
schlafen, meist auf dem Oberschenkel oderin der 
Armbeuge. Rechnetmandie Zeitdes Aufenthalts 
bzw. Schlafens in den Häusern ein, so ergibt sich 
für die Dauer des 24 Stunden-Tages ein Anteil 
der Perioden mit Körperkontakt von ca. 19 Stun- 
den, d.h. 80%. Das Ausmaß an körperlicher, 
haptischer Nähe vor allem zur Mutter, aber auch 
zu anderen betreuenden Personen, ist also ganz 
erstaunlich hoch. Nicht nur für sehr kleine Säu g- 
linge wie in Abb. 4 sondern, wie das vorige 
Beispiel belegt, für Kinder, die schon laufen kön- 
nen und selbständig und selbstsicher ihre Umge- 
bung erkunden. 
Die bereits erwähnte Drehscheibe kommt ge- 
rade dadurch zustande, daß das Kleinkind, nota- 
bene auf der Basis der sicheren Bindung zur 
Mutter (AINSWORTH 1972) mit einer Vielzahl 
von Personen Kontakt bekommt. Die Fremdbe- 
treuung, in der gängigen Terminologie als „„allo- 
mothering“ bezeichnet, hat weitere wichtige ver- 
haltensbiologische Konsequenzen. Für das Kind 
das schon angeführte zur- Verfügung-Stellen von 
differenzierten Stimuli, für die Fremdbetreuer, 
insbesondere für jüngere, die Möglichkeit, in 
ganz praktischer Weise den Umgang mit sehr 
kleinen Kindern zu üben. 
Bei jüngeren Säuglingen ist das Ausmaß der 
Zuwendung, insbesondere der Prozentsatz der 
an der Brust verbrachten Zeit, naturgemäß noch 
höher. Abb. 4 zeigt das exemplarisch: es handelt 
sich um eine Zusammenfassung der Interaktio- 
nen mit drei Säuglingen aus dem Dorf Tauwe- 
ma. Die so gewonnenen Daten sind sehr ähnlich 
jenen, die MN. KONNER (1977) für die San der 
Kalahari ermittelt hat. Bei ihm stand der Kontakt 
zur Mutter im Vordergrund der Erhebun g. Ga- 
briele HÄGLSPERGER-HANG (1988) hat 
Mütter, die der La Löche League angehörten, 
Tagebuch schreiben und die mit Stillen ver- 
brachte Zeit notieren lassen. Bei diesen Frauen, 
die ohne Zweifel ganz besonders bewußt auf 
ihre Kinder eingingen und sie nach deren Bedarf 
stillten, erreichte das Ausmaß an Kind-Brust- 
Kontakt ca. 10%.
	        

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