Volltext: Original-Mittheilungen aus der Ethnologischen Abtheilung der Königlichen Museen zu Berlin, 1.1885/86

Von J. S. Kubary. 
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die Besuchenden und die Weinenden vertheilt. Ebenfalls bekommen die in der Nacht 
singenden Frauen ein Geschenk aus Schildpatt-Gegenständen, der Gekür heisst. Die anderen 
Ortes verweilenden Verwandten bringen mit sich ein Todtengeschenk aus Matten, „Bädek” 
genannt, wofür sie ebenfalls ein Geschenk wiederbekommen und diese Sitte ist nicht blos 
zwischen Verwandten, sondern auch zwischen Befreundeten und dann auch zwischen den 
Häuptlingen eines Landes und zwischen den verschiedenen Staaten ohne Rücksicht auf 
Krieg oder Frieden beobachtet. So zum Beispiel sind die Häuplinge eines jeden Staates in 
absteigender Reihe geordnet und dann je zwei derselben in ein formelles Freundschafts- 
verhältniss gruppirt. Stirbt nun z. B. No. i, so muss ihm Häuptling No. 2 den Bädek und 
ein kleines Geldgeschenk zuschicken, umgekehrt wenn N0. 2 stirbt, so muss es der Ober 
häuptling thun. Dieses Verhältniss wiederholt sich in sämmtlichen Staaten der Inseln und 
zwar nicht blos zwischen den Häuptern, sondern auch zwischen den Regimentern (Vereinen), 
in welche die beiden Geschlechter des Volkes eingetheilt sind und zwischen den einzelnen 
Individuen. Bei dem Tode eines der Oberhäuptlinge: Arakläy von Molegoyök, Aybasül von 
Körreor, Irüiilbay von Eimeliik, Eytiao von Aremolunuy und Mao von Narbuku, senden die 
übrigen den üblichen Bädek ohne Rücksicht darauf, dass sie sich nicht verwandt sind und 
sich am öftesten bekriegen. 
Das Todtenhaus ist durch den Tod „täor” geworden und es darf nicht in demselben 
gekocht werden. Sieht man also dem Verscheiden eines Insassen entgegen, so wird an einer 
Seite des Wohnplatzes ein nothdürftiger kleiner Schuppen, „Nolidyül” genannt, aufgebaut, in 
welchem die Kinder, die überflüssigen Gegenstände und das Feuer untergebracht werden. 
Speisen werden an die Besuchenden nicht verabreicht und die um die Leiche versammelten 
Frauen erhalten ihre Nahrung von den verwandten Häusern; in dem Schuppen wird blos 
das Grobkochen des Taros besorgt. 
Die vor dem Begraben stattfindenden Gebräuche sind nicht ganz übereinstimmend in 
Einzelnheiten auf allen Stellen der Gruppe, indessen wenn der oder die Todte ein „Rüpok”, 
ein Haupt der Familie oder des Hauses war, d. h. einen „dny”, einen Titel, besass, so 
muss erst die Abnahme des Titels von dem Todten und die Uebergabe desselben an den 
lebenden Nachfolger stattfinden, dann wenn es eine verheirathete Frau ist, so muss der Mann 
erst ihren „Diol”, ihr Schiff, bezahlen, wonach erst das Insgrablegen geschehen kann. 
Nach den Gesetzen der epogenetischen Ehe, die mit Ausnahme der Insel Vay auf den 
ganzen Karolinen herrscht, gehören die Kinder der Mutter an und sie ererben auch ihren 
Stand, die Erben des Vaters sind also nicht seine Kinder, „Nätekel”, sondern der älteste seiner 
Neffen, „hohelleT 1 , wenn man mit diesem Namen die männliche Nachkommenschaft seiner 
Tanten von Mutterseite und seiner leiblichen Schwestern belegen kann. Der Name passt nur 
auf den letzteren Fall, sonst ist der Erbe ein Vetter. Der vermuthliche Erbe des Titels 
befindet sich immer im Hause und leitet er sammt den weiblichen Verwandten die kommenden 
Ereignisse. Vorerst wird von der Wittwe ein Theil des ihr vom Gemahle gegebenen Geldes 
abgefordert, was manchmal erst unter der Bedrohung mit dem Tode befriedigt wird. Mit 
diesem Gelde wird der neben der Leiche ausgestellte Handkorb ausgeschmückt. Dann kommt 
an das Haus der „Ohäro” ein wilder Auflauf der Angehörigen des befreundeten Hauses, die 
in wildem Tanze das Haus umgeben, Alles bedrohen und das Grab nicht zu graben erlauben, 
bis sie durch dargereichte Geschenke, meistentheils falsches Geld, beschwichtigt werden. 
Ist es der niedrigere Häuptling, der todt ist, so kommen die Frauen des höheren befreundeten 
Hauses und unanständige Lieder singend, tanzen sie wild im Hause, bis sie Schildpattgegen 
stände und Perlschalen zu Geschenk erhalten und sich dann entfernen.
        

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