Volltext: Am Ur-Quell, 4/6.1893/96

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In Meffersdorf bei Flinsberg im Isergebirge ist auch der Mann 
ohne Kopf bekannt; es war ein alter General, der seine Soldaten 
Grausamkeiten verüben liess. Daselbst zeigt sieb auch eine grosse 
Mönchgestalt mit dem Kopf unterm rechten Arm begleitet von einem 
schwarzen Pudel mit glühenden Augen. Ankert. 
i7. Vergrabene Schätze. 
Eine Umfrage von K. Ed. IIaase. 
XXIX. 1. Die Sage von vergrabenen Schätzen ist im badischen 
Taubergrund sehr verbreitet. Charakteristisch für sie ist, dass im 
Moment des Schatzhebens der Schatzgräber sich durch einen bösen 
Geist stören lässt und so des Schatzes verlustig geht. 
Wir teilen eine bezügliche Sage aus Tauberbischofsheim mit: 
Der Bauer Hannjörg (= Johann Georg) sieht eines Tages am Fuss- 
boden seines Kellers einen Spalt, der sich zusehends zu einer vier 
eckigen Oeffnung erweitert. Hannjörg denkt sich gleich „da muss ein 
Schatz drin stecken“ und gräbt vier Fuss in die Tiefe. Bald stösst 
er auf eine hölzerne Platte, die er als den Deckel einer Geldkiste 
entdeckt. Gerade will er zugreifen, als es hinter ihm schreit „Hann 
jörg, ’s brennt. “ Erschrocken lässt er die Kiste in die Tiefe fahren 
(Variation: Die Kiste fährt in die Höhe.) Hätte er geschwinde etwas 
darauf geworfen (ein Bauer des benachbarten Dorfes Königsheim 
empfiehlt „Brosamen“), wäre die Kiste nicht verschwunden. Der Spalt 
im Keller ist jetzt nicht mehr wahrzunehmen. Otto Heilig. 
2. Bei einer Excursion ins obere Ennsthal erfuhren wir jüngst: 
Ein Freimann, ein Pfarrer und ein Bauer wussten eine Höhle, in der 
sich ein Schatz befand. Man beschloss, gemeinsam den Schatz zu 
beheben und gleichmässig zu verteilen. Der Pfarrer, ein Geizhals, 
meinte zum Freimann (Scharfrichter) — ,Köpfe den Bauer, dann teilen 
wir zwei uns den Schatz!° ,Ah nein/ entgegnete der Freimann, ,da 
köpf ich lieber dich, Pfäfflein, und dann auch den Bauer, hernach 
gehört der Schatz mir allein! 0 Der Scharfrichter führte sein Vorhaben 
sofort aus. Der Pfarrer, bevor er getötet worden war, stiess einen 
furchtbaren Fluch aus und verwünschte den Freimann in die Höll. 
Sogleich wurde der Mörder mit dem Schwerte in der Hand vor dem 
Schatzloche versteinert, wo er noch heute zu treffen ist und bleiben 
wird, bis zum jüngsten Tage, wo ihn — wie uns der Erzähler ver 
sicherte — der Teufel vollends in die Klauen bekommen wird. Seit 
jener Zeit ist der Höhleneingang nicht mehr zu finden. Nur ein be 
sonders ,Begnadeter 0 soll einst das Glück haben, ins Schatzloch dringen 
zu können.“ 
Aus Karl Beiterer’s volkkundlich vielfach stoffreichem Aufsatze 
„Kleine Teufeleien aus den Alpen“ in P. K. Rosegger’s „Heimgarten“ 
XVIII (905—912) S. 909. 
München. Ludwig Frankel.
	        
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