Volltext: Am Ur-Quell, 4/6.1893/96

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ii. Zaubergeld. 1 ) 
Als ich den Bericht über: Zanbergeld, B. Y. H. I. S. 23, meinem 
Nachbar vorlas, sagte er: Hier kommt man auf folgende Weise zum 
Zaubergelde: 
Man nimmt eine ganz schwarze Katze und knotet sie sehr fest 
ein (am besten in ein Teil von einem Fischnetz) und geht mit ihr drei 
mal um die Kirche. Dann kommt der Böse aus der Thür und reicht 
dem Bringer einen Taler und fängt an die Knoten aufzulösen. Ge 
lingt ihm dieses zu vollenden, ehe der Mensch das Dach eines Hauses 
erreicht, so ist letzterer verloren. Der Böse dreht ihm das Genick 
um. Kommt der Mensch aber ins Haus, so hat er den Zaubertaler. 
So oft er den auch ausgiebt, er kommt immer wieder zu ihm zurück 
und bringt dann noch alles Geld, mit dem er in Berührung ge 
kommen, mit. 
Zwilipp b. Degow, Pommern. Asmus. 
i2. Mitteilungen aus dem Bremischen 
Volkleben. 
Von Dr. Albert Hermann Post. 
III. Die ältere Volkdichtung arbeitet zum Teil nach ganz eigen 
tümlichen Methoden, welche in der späteren Dichtkunst nicht mehr 
angewandt werden. So finden sich Volkreime, deren ganzer Inhalt 
auf weiter nichts hinauszulaufen scheint, als auf eine willkürliche 
Verbindung heterogener Begriffe, so dass das Endresultat eine Kette 
höheren Unsinns ist, an dem, wie wir später noch sehen werden, das 
Volklied auch sonst grossen Gefallen findet. Dahin gehört z. B. 
folgende Reimerei, welche sich in ähnlicher Form auch in andern 
niedersächsischen Strichen findet. 
Jacob, Jacob, laat mi leven, 
Ik will di ok en goldnen Vagei geven, 
Vagei schal di Stro geven, 
Stro schast du der Ko geven, 
Ko schal di Melk geven, 
Melk schast du dem Bäkker geven, 
Bäkker schal di Stuten bakken, 
Stuten schast du der Bruut geven, 
Bruut schal di Kruud geven, 
Kruud schast du dem Brägam geven, 
Brägam schal di Braen geven, 
Braen schast du der Puskatte geven, 
Puskatte schal di Miise fangen, 
Müse schast du in’n Schosteen hangen. 
Anderswo beginnt das Lied: Ik wol, dat ik en Vagei har, Vagei 
scholl mi Heu drägen, Heu wol ik der Ko geven u. s. w. mit kleinen 
Ausweichungen. „Der schöne Vogel“ kommt auch sonst in der nieder 
sächsischen Volkpoesie vor und es knüpfen sich an ihn Reimereien 
b S. Ur-Q. IV, 105—110, 135-141; V, 23.
	        
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