Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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82 ß. Referate. Anthropologie. 
Verf. führt aus dem Pflanzenreiche direkte Beweise für die Vererbung 
der durch direkte Anpassung erworbenen Eigentümlichkeiten an. Die erbliche 
Festhaltung der erworbenen Anpassungsmerkmale bedingt, dass die funktionelle 
Änderung irgend eines Organes auch in der Qualität der Fortpflanzungs 
zellen zum Ausdruck kommt. Diese noch unerklärte Mitbeeinflussung der 
Fortpflanzungsorgane sucht Verf. plausibel zu machen durch Hinweis auf 
die Erscheinung der Korrelation. Br. Warda-Blankenburg in Th. 
100. M. v. Lenhossek: Das Problem der geschlechtsbestimmenden 
Ursachen. Jena, G-. Fischer, 1903. 
Alle Bemühungen, auf dem Wege der Statistik das Problem der 
geschlechtsbestimmenden Ursachen aufzuhellen, sind bisher ohne Erfolg ge 
blieben. Reicher an Resultaten und verheissungsvoller ist der biologische 
Weg. Seit der grundlegenden Entdeckung von Korschelt an Dinophilus 
apatris, durch die festgestellt wurde, dass bei diesem Wurm das Geschlecht 
schon vor der Befruchtung im Ei festgelegt ist, haben sich für die Theorie, 
dass das Geschlecht schon im unbefruchteten Ei vorausbestimmt sei, auch 
bei anderen Tieren weitere Anfialtepunkte ergeben, v. Lenhossek deutet 
auch die Form der Parthenogenese, die z. B. bei den Bienen besteht, im 
Sinne dieser Theorie. Bei den Bienen gehen aus den unbefruchteten Eiern 
nur Männchen, aus den befruchteten stets nur Weibchen hervor. Die ge 
wöhnliche Erklärung für diese Thatsache ist die, dass das Geschlecht durch 
das Ausbleiben oder den Eintritt der Befruchtung entschieden wird; dem 
gegenüber macht Verf. geltend, dass das Hinzutreten oder Fernbleiben der 
befruchtenden Samenfäden nicht die Ursache der Geschlechtsdifferenz der 
Eier sein müsse, sondern sehr wohl als ihre Folge angesehen werden könne. 
Für die Theorie, dass schon im unbefruchteten Ei das Geschlecht festgelegt 
sei, sprechen einige Untersuchungen Pflügers an Fröschen und vor allem 
die Thatsache, dass beim Menschen die eineiigen Zwillinge stets gleichen 
Geschlechtes sind. Die Gleichgeschlechtigkeit eineiiger Zwillinge Hesse sich 
aber, wie Verf. zugiebt, auch dadurch erklären, dass sie als Abkömmlinge 
einer ursprünglich geschlechtslosen Eizelle erst durch die Einwirkung des 
Samenfadens ihre Geschlechtsbestimmung erhalten und dass an der Befruchtung 
eben nur ein einziger Samenfaden beteiligt ist. 
Die verbreitete Behauptung, dass der menschliche Embryo in der 
ersten Zeit seines Embryonallebens geschlechtlich nicht differenziert sei, 
dass er seine Geschlechtsbestimmung erst später erhalte, ist nach Verf. 
unbegründet; vielmehr liegt kein einziges Moment vor, das einen Rück 
schluss darauf gestattet, dass der Embryo seine Geschlechtsbestimmung erst 
im Laufe seiner Entwickelung erhält, und das mit der Annahme unvereinbar 
wäre, dass das Geschlecht bereits im Ei unabänderlich festgelegt ist. 
Weiter folgen interessante Ausführungen über den Zeitpunkt der Ent-
        

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