Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Urgeschichte. 
gefässe, die mit nordischen Bronzen der Periode 5 zusammen Vorkommen; 
aus den Beginne des letzten Jahrtausends vor Chr. Antennen- und Mörigen- 
Schwerter, Bronzeschiide und Gefässe mit Rad- und Uräusschlangen-Motiven, 
etwas ältere Bronzetassen und Opferwagen; aus der Mitte des 2. Jahrtausends 
nordischen Bernstein in Mykenä, südliche Fibeln im Norden und südliche 
Spiralornamente auf nordischen Bronzen; aus dem Anfauge des 2. Jahr 
tausends trianguläre Dolche und Celte. Alle diese Gegenstände sind häufig 
im westlichen Ostereich, in Ostdeutschland und Skandinavien, aber selten 
in Westeuropa. Demnach ging auch der Handel auf diesem östlichen Wege. 
In der Diskussion macht Myres gegenüber der Gleichmässigkeit des 
chronologischen Schemas darauf aufmerksam, dass im Mittelmeergebiete die 
Kultur und die Expansionsfähigkeit wohl nicht überall und immer gleich- 
mässig waren, und dass derartige Unregelmässigkeiten sich auch in den 
nordischen Perioden bemerkbar machen müssten. y> r a. Götze-Berlin. 
59. J. Déchelette: Montefortino et Ornavasso. Étude sur la 
civilisation des Gaulois cisaipins. Revue arcliéol. 1902, 
S. 245—283. 
D. hat es unternommen, die archäologischen Yerhältnisse der La Tène- 
Zeit Oberitaliens, welche ja für die Chronologie dieser Periode überhaupt 
grundlegend sind, an der Hand einiger neuerer Ausgrabungen zu besprechen. 
Den Anlass hierzu giebt ihm die Publikation des Gräberfeldes von Monte 
fortino durch Brizio, welcher im Anschluss an Gozzadini die gallische 
La Tène-Kultur aus der etruskischen ableiten will, und zwar hauptsächlich 
mit Hilfe des genannten Gräberfeldes. Dem tritt nun D. entgegen in einer 
gründlichen Besprechung der Typen und der Chronologie dieser Nekropole. 
Die Funde zeigen zwar stark etruskischen und nur wenig La Tène-Charakter, 
auch will D. nicht bestreiten, dass sie dem gallischen Stamm der Senonen 
angehören, sie können aber schwerlich früher als in den Anfang des 3. Jahrh. 
datiert werden, und somit entfällt die Möglichkeit, sie als Vorläufer der 
La Tène-Kultur in Anspruch zu nehmen. 
In diesem Zusammenhänge sind ferner die beiden Gräberfelder von 
Ornavasso (San Bernardo und Persona) wichtig. Sie lassen sich durch 
zahlreiche Münzfunde ziemlich genau datieren, und zwar reichen die Münzen 
von San Bernardo von 234—80 vor Chr., und diejenigen von Persona von 
89 vor Chr. — 80 nach Chr. Diese beiden Gräberfelder zeigen — ab 
gesehen von römischen Einflüssen in den jüngsten Gräbern von Persona — 
reinen Mittel- und Spät- La Tène-Charakter; namentlich hat sich hier der 
Gebrauch des gallischen Schwertes bis ca. 90 vor Chr. fast ausschliesslich 
erhalten. Beachtenswert ist, dass eine lokale Form der Mittel- La Tène- 
Fibel ' mit extrem langer Spirale als Überlebsel bis in den Beginn der 
römischen Kaiserzeit reicht. £) r . A. Götze-Berlin.
        

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