Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Urgeschichte. 
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IÏI. Urgeschichte. 
A. Allgemeies. 
48. Leboucq: Über prähistorische Tarsusknochen. Verhandl. d. 
anat. Gesellsch. a. d. 16. Vers, in Halle 1902. Ergäuzungs- 
heft z. Anat. Anzeiger, Bd. XX. 
Yerf. untersuchte Talus und Calcaneus der Skelettreste aus belgischen 
Höhlen. Unterschiede dieser Knochen zwischen rezenten und neolithischeu 
Menschen bestellen nicht, wohl aber weichen die Spyreste stark von diesen 
ab. Yon den Unterschieden, die in einer späteren Arbeit noch genauer 
geschildert werden sollen, hebt Yerf. den plump-massiven Bau der beiden 
Knochen bei Spy II hervor, dann eine Abbiegung des Talushalses, besondere 
Breite des Taluskörpers, Kürze und Höhe des Fersen Fortsatzes, Erhebung 
des medialen Randes des Calcaneus etc. Er misst am Talus die Sagittal- 
länge vom Sulcus pro musculo flexore hallucis longo bis zur vorderen 
Fläche des Kopfes und die grösste Breite von der unteren Spitze der Fibular- 
fazette bis zum hervorragendsten Punkt des Tuberculum mediale des processus 
•posterior, um daraus den Talus-Index zu erhalten. Er ist für Spy 91,07, 
für neolithische Sprungbeine um 80 schwankend, für rezente (Mittel von 
40 verschieden grossen) 77,03; also bleibt Spy von allen anderen zu sondern, 
die prähistorischen scheinen im Durchschnitt relativ breiter als sezente. 
Eine Untersuchung der Gelenkfazetten auf dem Halse des Knochens zeigt, 
dass Spy nur die laterale hat, was am seltensten vorkommt, dass weiter 
die neolithisclien öfter zwei Fazetten haben wie moderne (wie es ähnlich 
G. Retzius gefunden). Auf die früher von Thomson und Havelock Charles 
versuchte Erklärung der Fazetten durch starke Dorsalbeugung des Fusses 
beim Hocken wird hingewiesen. 
In der Diskussion weist Klaatsch darauf hin, dass mehrere Eigen 
schaften des Spy-Talus auch den Australiern zukommen, relative Breite u. a. 
— Kollmann bespricht im Anschluss das Vorkommen von Pygmäen in 
Europa, dann überhaupt deren Vorkommen und Bedeutung als primitive, 
auf unterster Stufe in der Stammesgeschichte des Menschen stehende Form. 
Dr. Eugen Fischer-Freiburg i. B. 
49. A. Rutot: Sur la position du Chelléen dans la chronologie 
paléolithique. Bulletin de la Société d’Antlirop. de Bruxelles, 
1901. Tome XIX, Sep.-Abdr. 4 S. 
Der für das Chelléen typische coup-de-poing kommt in Belgien mit 
einer Anzahl anderer Geräteformen vergesellschaftet vor, welche der dortigen 
geologischen Formation Campinien angehören. Letztere ist nun paläontologisch 
gut bestimmt; hier tritt nämlich zum ersten Maie der Elephas primigenius 
auf mit Ausschluss der durch den Elephas antiquus charakterisierten Fauna. 
Dr. A. Götze-Berlin.
        

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