Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Urgeschichte. 
erbaut. Die gallo-b elvetische Ansiedlung Yevey ist uns zwar noch unbe 
kannt, dagegen konnte der zu derselben gehörige Friedhof untersucht werden. 
Er lag und liegt z. T. jetzt noch beim Boulevard St. Martin oberhalb des 
heutigen Städtchens. Bei der Anlage des Boulevards stiess man auf mehrere 
eisenzeitliche Gräber und durch die Bemühungen des jetzigen Kantonsar 
chäologen Dr. A. Näf wurde nun der ganze Friedhof sorgfältig untersucht 
und in vorliegender Schrift beschrieben. 
Die La Tene-Gräber von Yevey erwiesen sich als höchst interessant. 
Zunächst gelang es Näf, bei mehreren Gräbern die Sargspuren zu eruieren 
und die Sargformen zu ermitteln; sodann fanden sich mehrere Beigaben, 
die zwar schon früher an andern Orten auch zum Yorschein gekommen, 
aber noch nie genau in ihrer Lage im Grabe beobachtet worden waren. 
Dahin gehören zunächst die Bronzeketten, die nun als Gürtelketten sicher 
gestellt und in ihrer Befestigungsweise genau erkannt werden konnten. Ein 
eisernes Schwert mit Scheide war mit dem Gürtel umwickelt und es konnte 
die Art der Befestigung derselben an demselben studiert werden. Eines 
der Gräber enthielt eine massaliotische Silber-Obole, auf deren Alter aus 
der Beschaffenheit des Grabes und den Beigaben ein neuer Lichtstrahl fällt. 
Ein Kriegergrab mit Schild, Schwert, Lanze etc. zeigte, dass die Waffen in 
absichtlich zerbrochenen Zustand beigegeben worden waren. Sonderbarer 
Weise fehlte jegliche Thonware. Merkwürdig sind auch einige Teilbestattungen. 
Männer, Frauen und Kinder ruhten in demselben Leichenfeld. Sie 
gehören nach den Untersuchungen von Dr. Schenk in Lausanne einer grossen 
dolichocephalen Rasse an. Das Gesicht ist leptoprosop, die Nase leptorhin. 
Schenk rechnet sie zu den Germanen und sagt, dass die Kelten Kurzschädel 
gehabt, überhaupt ihrem Bau nach durchaus verschieden gewesen seien von 
diesen Kymro-Germanen. Die überaus sorgfältige Arbeit Näfs dürfte über 
die Grenzen seiner Heimat Beachtung finden, da sie eine Reihe fraglicher 
Punkte erklärt, neue Beobachtungen aufweist und Anregungen giebt, die sehr 
beachtenswert sind. Die Funde selbst liegen im Musée Jenioch in Yevey. 
Heierli-Zürich. 
409. J. Heierli: Archäologische Funde in den Kantonen St Gallen 
und Appenzell. Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde 1902 
bis 1903. N. F. Bd. IY, Nr. 4; Y, Nr. 1 etc. 
Yerfasser stellt die prähistorischen Funde in dem am Fusse des Sentis- 
gebirge liegenden Gebiete zusammen. Nachdem er schon früher die archäo 
logischen Karten verschiedener Schweizerkantone publiziert, sucht er mit 
dieser Arbeit die Funde der Ostschweiz abschliessend zu kartieren, um sich 
später mehr dem Westen seiner Heimat zuwenden zu können, aus welchem 
die Materialien bereits gesammelt sind. Selbstbericht.
        

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