Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Urgeschichte. 
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friedlicher Hütten zu 2 und 3 beisammen, unabhängig vom Wasserlauf. 
Sie sind einfacher als die der Steinzeit. Meist sind sie rund und aus ge 
spaltenen, senkrecht gestellten Hölzern hergestellt, deren Fugen mit Lehm 
gedichtet sind. Daneben giebt es bienenkorbähnliche Erdwohnungen wie 
in Lengyel. 
In der La Tenezeit herrscht der keltische Einzelhof vor. Die Ge 
bäude eines Hofes stehen noch getrennt, die Wohngrube aber ist ver 
schwunden. Die Wände bestehen aus Fachwerk mit schweren Pfosten und 
Lehmverputz. Das Inventar weist auf Ackerwirtschaft und Viehzucht hin. 
Sämtliche in den zu diesen Siedlungen gehörigen Flachgräbern gefundenen 
Skelette sind brachykephal und wurden ohne Walfenbeigabe bestattet. Es 
handelt sich hier eben um die friedliche keltische Bauernschaft, während 
man in den meist dolichokephalen Skeletten von Langugest die Reste der 
bahnbrechenden, wehrhaften Ritterschaft vor sich hat. 
In der gallo-römischen Dekumatlandzeit herrschte noch der keltische 
Einzelhof, während später grosse Gutskomplexe mit einer villa rustica als 
Mittelpunkt aufkommen. 
Die Franken endlich drückten den Dörfern den heutigen fränkischen 
Charakter auf. Die Anlagen finden sich wieder an denselben Stellen wie 
zur Steinzeit. 
Die deutlichste Parallele zum Steinzeithaus bildet das nordische; im 
provinzialrömischen Bauernhaus tritt der erste Einhaustypus auf. Parallelen 
dazu finden sich im österreichisch-oberdeutschen Alpenhause. 
Dr. Gustav Kraitschek-Wien. 
ß. Spezielles. 
a. Deutschland. 
402. 0. Förtsch: Brand- und Skelettgräber von Bodelwitz, Kr. 
Ziegenrück. Jahresschrift f. d. Vorgeschichte der sächs.- 
thtir. Länder, 1902. Bd. I, S. 79—88. 
Die Brandgräber (Urnengräber) gehören einem schon ziemlich zer 
störten Gräberfeld an, nach Förtsch stammen einige Beigaben aus dem 
Ende der Hallstattzeit. Einige kleine Steinringe fanden sich in Kinder 
gräbern vor und werden von F. als „Zahnringe“ gedeutet. Die an der 
selben Stelle befindlichen Skelettgräber sind slavisch. 
Dr. A. Götze-Berlin. 
403. H. Seelmann: Wendische Funde aus der Umgebung Dessaus. 
Jahresschrift f. d. Vorgesch. d. sächs.-thür. Landes, 1902. 
Bd. I, S. 49—61. 
Die Gegend ist ziemlich reich an wendischen Ansiedelungsplätzen, die 
zum Teil ursprünglich wohl befestigt waren. Bei fünf Arten wurden Funde 
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