Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
398. A. Schiick: Die Stabkarten der Marshall-Insulaner. Ham 
burg, Kommissions-Verlag von H. C. Persielil, 1902. 37 S. 
und 11 Tafeln. 
Dass unter Umständen die praktischen, während eines Jahrzehnte lang 
ausgeübten Berufes gesammelten Erfahrungen eines Laien auch für die Wissen 
schaft von Wert sein können, zeigt uns die vorliegende Abhandlung. Mit 
schätzenswertem Eifer hat sich Verf., ein alter Seemann, der Mühe unter 
zogen, durch Anfrage bei fast allen öffentlichen Sammlungen beider Erd 
hälften und bei den ihm bekannt gewordenen Privatsammlungen nach dem 
Vorhandensein von sogen. Stabkarten Nachforschungen zu halten und Zeich 
nungen sowie Photographien von allen vorhandenen sich zu verschaffen. Es 
ist ihm auf diese Weise gelungen, im ganzen 45 Exemplare dieser merk 
würdigen Seekarten zusammenzubekommen. Die erste Nachricht von den 
selben stammt von einem amerikanischen Missionar, Dr. Gulick, aus dem 
Jahre 1860. Seitdem blieb man indessen über ihre Bedeutung im Unklaren, 
bis Kapitän z. S. Winkler im Jahre 1898 eingehende Nachforschungen hier 
über bei den Eingeborenen mit Erfolg anstellte. 
Bis jetzt kennt man solche Karten mit Sicherheit nur aus den süd 
lichen Teilen der Marshall-Inseln; die meisten stammen naturgemäss vom 
Mittelpunkt des dortigen Verkehrs, von Jaluit. Sie stellen ein System von 
zusammengebundenen Stäbchen mit einzelnen darauf befestigten Muscheln 
vor. Die Stäbchen, bald gebogen, bald gerade, bezeichnen die vorherrschende 
Dünung, die Kreuzungspunkte die beim Zusammenstoss verschiedener Dünungen 
entstehenden Kabbelungen, die Muscheln die Inseln. Ausserdem bedeuten 
einzelne Linien noch die Sichtweite der Inseln, sowie einige andere bei 
der Seefahrt in Betracht kommende Merkmale. Mit Winkler, der der Ein 
teilung der Stabkarten bei den Eingeborenen folgte, unterscheidet Verf. drei 
Arten. Die erste Gruppe, die Mattang, sind Lehr- oder Anschauungskarten; 
sie sollen für den jungen Insulaner den Verlauf der Dünungen zwischen zwei 
Inseln im allgemeinen erläutern. Die zweite Art, die Rebbelib, stellt Über 
sichtskarten vor, und zwar umfassen diese Rebbelib-Karten entweder den ganzen 
Archipel oder nur eine der beiden Ketten der Marshall-Inselwelt (Ratack 
und Raliclc), oder sie geben entweder den südlichen Teil oder den nördlichen 
Teil der gesamten Gruppe wieder. Die dritte Art, Medo genannt, sind 
Einzeln- oder Spezialkarten von den Untergruppen oder Teilen der Gruppen, 
innerhalb welcher der betreffende Schiffsführer verkehrt. 
Wegen der Einzelheiten sei auf das Original verwiesen. 11 Tafeln 
geben die 48 Stabkarten in Zeichnungen wieder, sowie eine gleichfalls auf 
die Seefahrt sich beziehende kartographische Darstellung, welche Haddon 
auf einer der Murray-Inseln der Torresstrasse entdeckte, eine Steiusetzung 
auf der Weihe-Stätte bei Dam auf der Insel Mer. Diese Gruppe von 14
        

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