Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
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er brauchte nur anzunehmen, dass die Vererbungssubstanz der beiden Eltern 
jedesmal in etwas anderer Weise halbiert worden ist. Auch die Möglichkeit, 
dass Krankheitsanlagen der Eltern vor der Befruchtung ausgeschieden, also 
nicht auf das Kind übertragen w r erden, wäre durch Bezugnahme auf die 
Richtungskörperchen zu erklären, endlich die von Ruppin ausgiebig be 
sprochene Thatsache, dass bei gesunden Eltern die Blutsverwandtschaft keines 
wegs eine fehlerhafte Nachkommenschaft bedingt, während es leicht geschehen 
kann, dass die in einer Familie vorhandene Krankheitsanlage nicht mit den 
Richtungskörperchen ausgestossen wird, also in den Nachkommen mit doppelter 
Vererbungsmasse auftritt. Anderseits muss anerkannt werden, dass Ruppin 
die Wirkung der standesmässigen Heiraten im Sinne der socialen Auslese 
und der Erzeugung einer hochwertigen Nachkommenschaft anerkennt. 
Leider hat auch bei ihm das Wort Rasse nur eine gelegentliche Er 
wähnung gefunden. Die Verschiedenheit der Rassenanlagen und die wichtigen 
Folgen, die dadurch in Mischlingsbevölkerungen hervorgerufen werden, ent 
gehen ihm gänzlich. Auf der Grundlage, die er in seinen Abschnitten über 
die Vererbung gelegt hat, hätte er notwendig zu der Folgerung kommen 
müssen, dass die der einen oder andern Rassenkomponente nahestehenden 
Mischlinge bei freiem Wettbewerb eine sociale Schichtung hervorbringen. 
Der Verf. geht ausführlich auf das gegenwärtig herrschende Parteileben 
Deutschlands ein. Dass er dabei nur an die Bethätigung der Parteien in 
der inneren Politik denkt, ist ihm nicht als Fehler anzurechnen, weil das 
Preisausschreiben ausdrücklich nur von dem Einfluss der Deszendenztheorie 
auf die innerpolitische Entwickelung der Staaten spricht. Da aber die 
Stellung der einzelnen Staaten zu den Problemen der Weltwirtschaft und 
der Weltpolitik heute mehr als je auf die inneren Verhältnisse zurückwirkG 
beispielsweise die Mittel zur Bestreitung des Aufwandes für die deutsche 
Socialpolitik von aussen her gewonnen werden müssen, so hätte ihm eine 
Abschweifung nicht verboten werden können. Er behandelt auch die Social 
demokratie als Partei nur hinsichtlich ihrer Bedeutung für die inneren Zu 
stände des Deutschen Reiches und schliesst mit dem Satze, dass, je mehr 
man sich gewöhnen würde, diese Partei als gleichberechtigt anzusehen und 
sie zur positiven Mitarbeit heranzuziehen, um so eher sie ihren oppositionellen 
Charakter aufgeben und sich innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung zu 
einer Klassenvertretung der industriellen Arbeiter entwickeln werde. Dass 
die Miliz- und Entwaffnungsprojekte der Socialdemokratie wahrscheinlich 
schon viel früher, als die Entwickelung zu einer Klassenvertretung der indu 
striellen Arbeiter vollendet w'äre, eine Katastrophe der auswärtigen Politik 
herbeiführen und das deutsche Volk auf eine tiefe Stufe des Wohlstandes 
und der materiellen Kultur herabdrücken würde, ist eine Möglichkeit, die 
er nicht erwogen hat. 
Die Kritik hat, wie schon gesagt, die Mängel der betr. Schriften auf-
        

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