Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Anthropologie. 
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Während in diesem Falle ein von der Norm abweichendes Idioplasma, 
besonders wegen der ähnlichen Erkrankung der 3 Geschwister anzunehmen 
ist, trifft für den 2. Fall die Theorie von den abschnürenden Amnionfalten 
zu. Es handelt sich in diesem um ein Fehlen der 3 Phalangen der 3 
mittleren Finger. Durch die Spalte zwischen Daumen und 5. Finger, welche 
ebenfalls Yerbildungen an sich tragen, wird die Hand in 2 Hälften geteilt. 
Am Daumen scheint eine seichte, an den Rändern etwas gewulstete Rinne 
auf einen embryonalen Amnionstrang hinzuweisen und so die Deformität 
als eine mechanisch verursachte zu beweisen. Irgendwelche Deformitäten 
sind in der Familie des im übrigen wohlgebildeten Mannes noch nicht vor 
gekommen. £) r . Kellner-Untergöltzsch. 
377. Sioli: Die Entartung des Menschengeschlechts und ihre Er 
scheinungen. Die Umschau, 1903. Bd. VII, Nr. 1 u. 2. 
Entartung im allgemeinen ist Rückgang ganzer Generationen mit zu 
nehmenden körperlichen Verbildungen und geistiger Schwächung mit der 
Eigenschaft der erblichen Übertragbarkeit. Sie entsteht durch Verkümmerung 
der inneren treibenden Kräfte oder durch Mangel an äusseren Hilfsmitteln, 
wie bei ganzen Völkern (Lappen, Negritos), so bei einzelnen Volksklassen 
(die irische Landbevölkerung, gewisse Arbeiterklassen in England). Diese 
Entartungszustände scheinen beim Umschwung der äusseren Verhältnisse 
assanierbar zu sein. Eine weitere Ursache der Entartung ist die Kultur 
entwickelung. Ist diese aber notwendig mit Entartung verbunden oder wird 
letztere zufällige Begleiterscheinung? Die Naturvölker, welche bekanntlich bei 
Berührung mit hochkultivierten Völkern schnell untergehen, werden durch Infek 
tionskrankheiten und Alkohol zu schnell dezimiert, als dass man von Entartung 
sprechen könnte. Auch bei dem rapiden Aussterben der Landbevölkerung, so 
bald diese in die Grossstadt zieht, spielen zahlreiche Nebenfaktoren mit. 
Wie wir bei gewissen Haustieren sehen, dass einseitig geförderte Eigen 
schaften und Fähigkeiten zur Entartung und zur Fortpflanzungsunfähigkeit 
führt (Rennpferd, Merinoschaf, gewisse Tauben- etc. Spezialitäten), so hat 
die Kultur und Hyperkultur gewisse Begleiterscheinungen: Verzärtelung, 
Widerstandslosigkeit (Unterliegen der alten Kulturvölker). Die mit höherer 
Kultur einhergehende grössere Konkurrenz lässt zahlreichere Reizmittel ver 
langen, unter denen der Alkohol das schädlichste ist, die Entartung ver 
ursacht oder für sie den Boden präpariert. 
Die äusseren Zeichen der nachlassenden schöpferischen Entwickelungs 
kraft sind die Missbildungen. Der Unterschied zwischen zufälligen Bildungen, 
Rückbildungszeichen und Rückschlägen wird betont. Wichtig werden die 
Missbildungen beim Hinzutreten geistiger Schwäche. Die praktisch wichtigste 
Form der Entartung ist der Schwachsinn mit antisocialen Anlagen, aus dem 
■das Verbrechertum erwächst. 
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