Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

ß. Referate. Anthropologie. 
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bei den menschlichen Varietäten, welche besonders bei den mittelländischen 
und eurasischen Schädeln auffallend ist. Als Beispiel führt er die Messungen 
bei Juden an, welche Fishberg in New York ausgeführt hat; er fand unter 
500 Männern und 215 Weibern eine mässige Brachycephalie, während die 
Dolichocephalie äusserst selten war. Und doch sind die Juden den Semiten, 
zu welchen die Araber, Phönizier u. a. gehören, und welche dolichocephal 
waren, zuzuzählen. Man müsste demnach die Juden nicht als Semiten, 
sondern — wie v. Luschan thut, — als Nachkommen der Hittiten oder Hethäer 
ansprechen. Ähnliche Gesichtspunkte eröffnen sich bei Betrachtung der 
Schädelformen der amerikanischen Mestizzen, bei welchen auch Boas eine 
gewisse Plastizität nachgewiesen hat. Br. 0. v. Hovorka-Wien. 
368. V. Giuffrida-Ruggeri: Superiorità intelettuale e funzione 
genesica. Archivio di psichiatria, 1903. Voi. XXIV, S. 434 
bis 436. 
Veri, wendet sich gegen die von Richard aufgestellte Theorie, dass 
der Mann seine Superiorität einzig und allein dem Umstande verdanke, 
dass er mit der Erhaltung seiner Spezies weniger zu thun hat, als das 
Weib, und dass infolgedessen die Intelligenz des Weibes mit der Zunahme 
der Entbindungen, sowie mit dem vorzeitigen Zeitpunkte der Eheschliessung 
bedeutend abnehmen müsse. Br. Oskar v. Hovorka-Wien. 
369. Krauss: Über die Vererbung von Geisteskrankheiten. Allgem. 
Zeitschrift f. Psychiatrie, 1903. Bd. LX, S. 224—231. 
Das Darwinsche Gesetz der gleichmässigen Vererbung, d. h., dass 
infolge der Vererbung bestimmte physiologische Zustände der Ascendenz 
bei der Descendenz zur Erscheinung kommen, besitzt für die Formen der 
Geisteskrankheiten keine Giltigkeit, wie die vom Verf. an dem Materiale 
der psychiatrischen Klinik in Heidelberg und an der Irrenanstalt Kennen 
berg angestellten Untersuchungen festgestellt haben. Verf. beschränkte die 
selben nicht nur auf die Eltern und Kinder, sondern dehnte sie auch auf 
Geschwisterkinder und dementsprechende Verwandtschaftsgrade aus, wobei 
er von der richtigen Voraussetzung ausging, dass, wenn das Gesetz einer 
vorwiegend gleichartigen Vererbung für Ascendenz und Descendenz gilt, 
wie Vorster auch für Geisteskrankheiten festgestellt haben will, es in gleicher 
Weise auch für Geschwisterpaare gelten müsse. Es fand sich gleichartige 
Vererbung in 65% bei Eltern und Kindern, 67% bei Geschwistern und 
nur 33 Vs% hei Geschwisterkindern. Es verschiebt sich somit das pro- 
centuale Verhältnis der ungleichartig erkrankten Fälle sehr zu Ungunsten 
der gleichartig erkrankten bei den entfernteren Verwandtschaftsgraden. 
Die Untersuchungen stellten ferner eine überwiegende Zielstrebigkeit 
im Sinne einer Degenerescenz der Krankheitsform im Vergleiche zu den
        

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