Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
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Mit Recht enthält sich Yerf. aller Deutungen und überlässt auf zwei 
sehr schönen Tafeln das Material dem unbefangenen Auge des Lesers 
zur Prüfung. Dr. B. Lehman n-Nitsche-La Plata. 
343. Lino del Valle Carbajal: La Patagonia. Studi generali. Serie 
prima. Storia - Topografia - Etnografia. S. Benigno Cana- 
vese 1899. 8°. 456 Seiten. 
Das gesamte Werk, aus mehreren Bänden bestehend, ist bereits voll 
ständig erschienen. Für die Interessen eines Centralblattes für Anthropologie 
kommt aber nur der erste hier vorliegende Band in Betracht. Er zerlegt, 
sich in die drei im Titel bezeichneten Teile, von denen Teil III, Etnografia, 
uns hier nur angeht. Yerf. ist Salesianer, welche den Pfaden der alten 
Jesuiten folgend, Indianermission betreiben. Freilich machen sie sichs be 
quemer. Die Indianersprachen zu erlernen, fällt ihnen gar nicht ein, höchstens 
dass sie sich einige dürftige Yokabularschemata ausfüllen lassen und diese 
dann publizieren. Yerf. hat sich damit aber nicht beschäftigt. Er hat 
gründliche Studien über Land und Leute gemacht, in Litteratur wie Natur, 
und das alles in seinem Werke vereinigt. Mangelhaft ist das erste Kapitel 
über die Bevölkerung. Die Einteilung der verschiedenen Indianerstämme 
ist dem Yerf. durchaus unklar; allerdings wäre die Verarbeitung der ein 
schlägigen, äusserst schwer zu beschaffenden Litteratur eine Arbeit für sich. 
Der Hauptwert liegt aber in dem Kapitel, wo Yerf. seine eigenen Beob 
achtungen niedergelegt hat und das er: „Ethnographische Studien“ betitelt. 
Er schildert die volkstümlichen Feste, Eigentümlichkeiten der Nahrung, der 
in Relief geschnitzten Vampyrköpfen oder Tierkörpern, in welchen Bündel 
zusammengebundener Nadeln aus Disteln stecken. Ref. vermutet darin 
ein Instrument zum Skarifizieren mit nachfolgendem Schröpfen durch An 
saugen. Ferner kleine Schüsselchen mit schönen Schnitzereien, welche nach 
Ambrosetti zum Darbringen von Opfergaben dienten. Aus Holz sind ferner 
Bogen und Pfeil, die Spitze der letzteren Stein oder auch Holz, ferner 
Löffel und Spachteln, Spindel und Wirtel, Gebisse für Lamas, Tassen und 
kleine Döschen; aus Knochen sind Falzbeine und Büchschen; aus Wolle 
allerhand Gewebe, darunter ein sehr schöner Gürtel mit Zickzackornament, 
eine Mütze und verknotete Schnüre zu unbekanntem Zwecke. Eine Kopf- 
bedeckung in Form eines Strohhutes ist aus den teilweise der Länge nach 
halbierten Puppenhülsen eines Insektes angefertigt; ein Poncho aus Bast 
lasern gewebt mit Lamawollzotten darin, sodass diese daran wie an einem 
Yliess herunterhingen. Eine Prunkaxt steckt noch mit Leder befestigt am 
Holzstiel. Die Thonsachen sind meist einfache Schüsseln und Tassen. Aus 
Bast sind auch Stricke und Zäume, die eine auffallende Frische aufweisen. 
Wie gesagt, um dieser Kultur ihren Platz anweisen zu können, sind 
noch viele systematische Forschungen von berufener Seite nötig, namentlich
        

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