Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
331. C. G. Seligmann: The medicine, surgery, and midwifery of 
the Sinaugolo. Journal of the Anthropol. Institute of Great 
Britain and Ireland, 1902. Yol. XXXII, S. 297—304. 
Das Gebiet der Sinaugolo liegt im Rigo-Distrikt Neu-Guineas, und 
zwar im Binnenlande. Nur wenige Krankheiten sind klar genug erkannt, 
um benannt zu werden. Man unterscheidet Malaria unter dem Namen 
enaguli, wörtlich Kälte, während beni die Bezeichnung für den ihr konischen 
Milztumor ist. Die Behandlung besteht in einer Tätowierung über der Milz. 
Dysenterie, kukurara, wörtlich blutiger Stuhl, wird nicht behandelt. Leuco 
derma, tabu, soll von kleinen Organismen erzeugt werden, welche in Sand 
und Schlamm leben. Der Ringwurm, levu, ist wahrscheinlich neuerdings 
eingeführt, er wird gewöhnlich nicht behandelt; Vorstellungen über seine 
Herkunft fehlen. Gicht, nagama, gilt als erblich und ist sehr häufig, Rheuma 
tismus wird ebenso bezeichnet und durch Tätowierungen behandelt, deren 
Muster wiedergegeben wird. Aus dem Gebiet der Chirurgie ist die Ver 
wendung des Saftes von Hoya australis zum Bestreichen von Brandwunden 
zu erwähnen. Knochenbrüche werden mit Holzsplittern geschient und mit 
Blättern umpolstert, doch werden die Gelenke niemals immobilisiert. Blutungen 
stillt man durch Aufbandagieren eines Bananenstengels. Der tätliche Aus 
gang von Schlangenbissen beruht auf dem Einfluss der Zauberei. Bisse am 
Morgen gelten als stets tätlich, eine Behandlung ist unbekannt. Bemerkens 
wert ist die Sorgfalt der Leute für ihre Kranken, die nicht isoliert, sondern 
gepflegt werden. Für gewöhnlich ist auch hier die Krankheit hervorgerufen 
durch dämonische Einflüsse und wird entsprechend behandelt. 
Als Ort der Empfängnis gelten die Brüste, da sie die ersten Zeichen 
der Schwangerschaft erkennen lassen; wenn das Kind eine gewisse Grösse 
erlangt hat, fällt es in den Unterleib herab. Irgend welche weitere Kenntnisse 
bestehen nicht. Verfasser meint, die Vorstellung über Empfängnis und 
Schwangerschaft knüpfte an Beobachtungen an, welche das wohlbekannte 
und viel gejagte Wallaby bietet. Bei der Geburt giebt der Hausherr den 
Frauen der Nachbarschaft ein Fest, ebenso nach der Geburt. Geschieht 
dies nicht, so schreit das Kind andauernd. Die Geburt selbst erfolgt im 
Busch. Hebammen giebt es nicht, obgleich auch hier Zauberei ausgeübt 
wird. Die Mutter bleibt eine Woche nach der Geburt im Hause, während 
des ersten Monats darf die Frau mit den Nahrungsmitteln nicht in Be 
rührung kommen, für sich selbst darf sie nicht kochen und muss die für 
sie bereiteten Speisen mit einem spitzen Stäbchen zum Munde führen. Eine 
eigentliche Mädchenweihe besteht nicht, nur wird bei Beginn der Mann 
barkeit die Tätowierung der Mädchen vervollständigt. Gewöhnlich lebt in 
jedem Dorf oder in einer jeden Landschaft eine Frau, von der man glaubt, 
dass sie Liebeszauber besitzt, Sterilität verursachen kann u. s. w. 
G. Thilenius-Breslau.
        

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