Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
Zusammenwohnens noch manche Unterschiede erhalten. Beschneidung wird 
von einigen Bantustämmen, von allen Nandi, aber nicht von den Ja-Luo 
geübt. Alle Stämme entfernen einige Schneidezähne im Unterkiefer und 
differieren nur in der Zahl derselben (1—4; bei den Ja-Luo ist auf S. 31 
infolge eines Versehens von 6 Schneidezähnen im Unterkiefer die Rede). 
Narbentätowierung scheint nur bei Weibern vorzukommen, ebenso wie in 
Uganda. Die Hütten, die überall den gleichen Stil zeigen, stehen bei den 
Nandi einzeln, während sie bei Bantu und Niloten zu Dörfern vereinigt 
sind. Was die Waffen betrifft, so sind Bogen und Keule, teilweise auch 
die Schleuder, im Gebrauch, treten aber hinter Speer und Schild zurück; 
daneben hat das Massai-Schwert allgemein Annahme gefunden. Auch die 
Kleidung weist Unterschiede auf: bei den Bantu gehen die Männer und 
unverheirateten Weiber nackt, die verheirateten tragen einen Schurz aus 
Schnüren; bei den Ja-Luo sind beide Geschlechter vor der Heirat unbe 
kleidet, nach derselben tragen die Männer ein Stück Ziegenfell, die Frauen 
einen Schwanz von Schnüren; bei den Nandi ist die Kleidung reichlicher: 
Männer und Frauen haben Fellmäntel, die Mädchen einen Lederschurz, nur 
die Jünglinge gehen nackt. Die beiden letzten Kapitel enthalten ein um 
fangreiches Wörterverzeichnis der Sprachen der Awa-Wanga als Vertreter 
der Bantu, der nilotischen Ja-Luo und der Nandi, sowie kleinere Vokabularien 
einiger anderer Stämme. Ausser einer Anzahl von Textabbildungen sind 
der vortrefflichen Arbeit fünf Tafeln in Lichtdruck mit Typen der Einge 
borenen, sowie eine ethnographische Karte von Kavirondo beigegeben. 
Dr. B. Ankermann-Berlin. 
24. A. Hetherwick: Some animistic beliefs among the Yaos 
of British Central Africa. Journ. of the Anthrop. Institute 
of Great Britain and Ireland, 1902. Vol. XXXII, S. 89. 
Verf., der als Missionar unter den Wayao wirkt und als solcher Ein 
blick in ihre religiösen Vorstellungen erhalten hat, giebt eine kurze Dar 
stellung derselben, die im wesentlichen auf allbekannten animistischen 
Grundanschauungen beruhen. Die Seele (lisoka) wird mit einem Schatten 
verglichen, auch bildliche Darstellungen einer Person, z. B. Photographien, 
werden als „masoka“ bezeichnet. Träume werden durch Umherwandern der 
Seele verursacht, Wahnsinn gilt als Besessenheit durch Geister. Dagegen 
scheint im Gegensatz zu den benachbarten Angoni und Atschewa der 
eigentliche Fetischismus zu fehlen. Während lisoka die Seele im allgemeinen 
bedeutet, wird die Seele eines Verstorbenen als Mulungu bezeichnet. Das 
selbe Wort wird aber auch für die Gesamtheit der Geister der Verstorbenen 
gebraucht und beginnt anscheinend in den Begriff einer obersten Gottheit 
überzugehen, die alle lebenden Wesen geschaffen hat. Nicht ausgeschlossen
        

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