Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
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ßichtstyp“, dem auch die Esten zeigen, wird bedingt: 1. durch beträchtliche 
Breite des Mittelgesichts bezw. der Jochbeingegend; 2. durch starke Ent 
wickelung der Wangenbeine; 3. durch abs. und rel. kleine Längsdimensionen 
des Gesichts; 4. durch starke Entwickelung und seitliche Ausladung der 
weit von einander abstehenden Unterkieferwinkel. Die Haut ist schwach 
pigmentiert, die Iris hell (hellgrau bis bläulichgrau), das Haar hellblond, 
der Wuchs ist hoch. Das Becken, spez. das Geburtsbecken, zeigt eine sehr 
geringe Neigung (33°); damit im Zusammenhänge stehen 2 charakteristische 
Eigentümlichkeiten des äusseren Körperhabitus der Estin: geringes Nach- 
hintenragen der Gesässgegend und wenig oder garnicht von den Schenkeln 
gedeckte Lage der äusseren Geschlechtsteile. Die Durchmesser des Ç Beckens 
sind im Vergleich zum germanischen bedeutende (leider fehlen hier genauere 
Angaben); nur der Querdurchmesser ist kleiner als beim Becken der deutschen 
Frau. Die Variationsstatistik der Esten ist noch lückenhaft. Von dem 
Processus frontalis des Schläfenbeins wird angegeben, dass er in 3% der 
vorliegenden Fälle vorhanden sei. Künstliche Umgestaltung von Teilen des 
Körpers, spez. des Kopfes, kommt nicht vor, Tättowierung ist sehr selten. 
In dem Kapitel: „Vergleichend anthropologisches“ kommt Verf. zu 
dem Schluss, dass der sog. ugrofinnische Rassentyp aus mehreren distinkten 
anthropologischen Typen zusammengesetzt ist, sodass der ethnographisch be 
gründete Sammelbegriff der Ugro-Finnen bezw. Ural-Altaier nicht gestützt 
werden kann. Doch erscheint die Annahme einer ursprünglichen Einheit 
lichkeit der Finno-Ugrier nicht ohne weiteres ausgeschlossen, sogar nicht 
unwahrscheinlich, und damit entstehen eine Reihe weiterer Fragen, deren 
Lösung der Zukunft Vorbehalten bleibt. Entsprechend der Überzeugung 
des Verf. von der Wichtigkeit der Prähistorie und der Linguistik für eine 
solche Lösung sind auch diese Gebiete, sowie das Seelenleben der Esten in 
besonderen Kapiteln behandelt. p. Bartels-Berlin. 
323. Bertholon: L’Année anthropologique Nord-Africaine. Revue 
Tunisienne, 1902, S. 318—335. — Sonderabdruck Tunis, 
Imprim. Rapide. 
Unter dem am Eingänge erwähnten Titel beabsichtigt der bekannte 
Verfasser alljährlich einen zusammenfassenden Überblick über die Fortschritte 
auf dem Gebiete der Anthropologie Nordafrikas zu geben, im besonderen 
des Berbérie genannten Himmelsstriches, aber mit Einschluss der angrenzenden 
Gebiete, selbst Ägyptens und der mittelländischen Inseln, sofern die Arbeiten 
für die Geschichte des Ursprunges der Berber von Bedeutung sind. Diese 
Zusammenstellung soll sich auf 1. die Prähistorie (jedoch mit Ausschluss 
der Dolmen, Menhir, Tumuli, da diese jüngeren Datums sind), 2. die Kranio- 
logie, 3. die Ethnologie und Sociologie und 4. die Demographie erstrecken. 
Der vorliegende erste Bericht bringt die Litteratur über die Jahre 1901
        

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