Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
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griff „Arier“ könnte etwas schärfer Umrissen, „Rassen“ und „Yölker“ dürften 
strenger auseinander gehalten sein. Überzeugt, dass „nur ein Teil, eine 
Gegend des europäischen Festlandes“ die langgesuchte „Urheimat“ sein könne, 
unterzieht De Michelis die verschiedenen europäischen Theorien, unter 
denen er der skandinavischen, um die sich eigentlich in neuerer Zeit „der 
ganze Streit gedreht“ habe, den „Ehrenplatz“ zugesteht, einer eingehenden 
Vergleichung und Prüfung. Aber keine findet Gnade vor seinen Augen. 
Die von der „nordischen Schule“ aufgestellte skandinavische Lehre sucht er 
durch Einwendungen zu entkräften, die ich längst anderwärts als unberechtigt 
zurückgewiesen habe und daher hier übergehen kann. Was aber, das ist 
die Hauptsache, hat der italienische Verfasser an ihre Stelle zu setzen? 
Die arische Sprache und Gesittung haben sich nicht im Schosse einer reinen 
Rasse entwickelt, sondern das „Urvolk“ ist während der neueren Steinzeit 
in den Donauländern aus einer Vermischung der ureuropäischen Rassen mit 
asiatischen Rundköpfen, denen sogar die Hauptrolle zugeschrieben wird, 
hervorgegangen. Selbsverstäudlicli glaubt der Verfasser, dass diese Hypo 
these „allen Bedingungen, die wir für die Entstehung der arischen Völker 
sippe voraussetzen müssen“, entspreche; aber allein die Thatsache, dass es 
arische Völker von reiner oder doch fast reiner Rasse gab und trotz dem 
ins Ungeheure gesteigerten Weltverkehr an geschützten Orten noch heute 
giebt, bringt sie zu Fall. Ausserdem haben die keltischen und germanischen 
Völkerwanderungen, die ja grösstenteils in die geschichtliche Zeit fallen, 
eine dieser Annahme gerade entgegengesetzte Richtung. Dass einige in den 
letzten Jahren erschienenen wichtigen Werke, so besonders die m. E. aus 
schlaggebende Anthropologin suecica nicht mehr berücksichtigt werden 
konnten, wird man zwar bedauern, aber entschuldigen. Mit der vorsichtigen 
Zurückhaltung des wahren Forschers giebt der Verfasser am Schlüsse be 
scheiden zu, dass seine Meinung „nur einen relativen Wert“ hat und dass 
er sie von Grund aus umgestalten würde, wenn neue Thatsachen sie als 
unzutreffend und unhaltbar erwiesen“ hätten. Nach meiner Auffassung sind 
genug solcher Thatsachen bekannt. Ludwig Wilser-Heidelberg. 
318: Thomas H. Bryce: Note on prehistoric human remains found 
in the Island of Arran. Journal of the Anthropol. Institute 
of Great Britain andlreland, 1902. Vol. XXXII, S. 398—406. 
Auf der kleinen, Irland benachbarten Insel Arran ebenso wie auf der 
nahen Halbinsel Kintyre kommen zwei Kulturformen vor. Die ältere ist 
durch geteilte negalithische Kammern mit mehrfacher Bestattung ausge 
zeichnet, ohne Durchgang, aber vielleicht mit einem Portal. Ebenso alt 
sind negalithische Cisten in grossen Cairns. Das Gerät besteht nur aus 
Stein, die Erzeugnisse der Töpferei sind stets mit rundem Boden versehen, 
und entweder kleine Schalen mit Handgriffen oder Gefässe mit scharf abge-
        

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