Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
nimmt W. die Monogamie als die regelmässige und weitverbreitetste Ehe 
form als erwiesen an, indem er die von Bachofen, Morgan, Darwin, Kohler, 
Engels u. A. verfochtene Promiskuität und Gruppenehe (Blutsverwandtschafts 
ehe und Punaluaehe) als Vorläufer der Einehe verwirft; Polyandzie und 
Polygamie sind seiner Ansicht nach nur zeitweilige Abzweigungen von regel 
mässigen Typus der Monogamie. Auch die Ansicht über die mutterrechtliche 
Organisation der Familie, als die älteste rechtliche Yerwandtschaftsvorstellung 
sucht W. richtig zu stellen, indem er darauf hinweist, dass beide Vererbungs 
arten in früheren Zeiten nebeneinander existiert haben. 
Sehr bemerkenswerte Ansichten entwickelt W. über den socialen Kampf 
ums Dasein, Herrschaft und Knechtschaft, Ursprung der Kasten, des Adels 
und der verschiedenen Wirtschaftsklassen. Bei der Besprechung der intellek 
tuellen Berufe stellt er hinsichtlich der Familienüberlieferung des Berufs 
eine sehr instruktive Tabelle auf, welche auf der amtlichen preussischen 
Statistik basiert. 
Es stammen 
in Preussen 
nämlich aus 
dem Stande der 
Juristen 
Theologen 
Mediziner 
Philologen 
Juristen 
55,11% 
7,38% 
16,51% 
20,18 o/o 
Geistlichen 
14,13% 
48,66% 
21,46% 
O 
o 
CO 
t>- 
Ärzte 
27,06% 
4,38% 
50% 
18,5% 
Lehrer 
31,63 o/o 
10,30% 
22,09% 
33,25% 
Ihrem Berufe am treuesten bleiben demnach die Juristen und Ärzte. 
Der Ursprung der politischen Entwickelung der Völker ist vorzugs 
weise im Herrschaftstriebe, als einer socialen Äusserung der physischen 
Selbsterhaltung und Vermehrung zu suchen. So wie in einer Tierheerde 
kommt es auch beim Menschen im Verlaufe des Kampfes ums Dasein zu 
einer inneren Herrschaftsorganisation, dem einzigen Mittel zur Abwehrung 
der gemeinsamen Feinde; hierdurch ist der Beginn zum Entstehen einer 
centralen Gewalt von selbst gegeben. Durch Vereinigung mehrerer Familien 
kommt es zur Bildung einer Horde, in welcher zwar noch keine eigentliche 
Herrschaft, aber doch schon Uber- und Unterordnung, Leitung und Gefolg 
schaft besteht; die Initiative, Legislative und Exekutive sind noch nicht 
gesondert. Der Älteste bildet das Oberhaupt. Indem sich mehrere Horden 
Zusammenschlüssen, entsteht der Stamm, wobei die Horde, als ein unter 
geordnetes Glied des Gesamtverbandes zur Sippe, Gens oder Clan wird. 
Innerhalb der Gentes nahm die Gentilverfassung ihren Ursprung, die bei 
den Irokesen von Morgan so gründlich studiert wurde. Durch Vereinigung 
mehrerer Stämme kommt die Nation zustande und mit dem Anwachsen 
der Stämme zur Nation entsteht zugleich der Staat. Dieses Wachstum 
der inneren Orgenisation haben alle indogermanische Völker, die Inder, 
Griechen, Römer, Germanen, Gallier und Slaven mitgemacht. Bei den 
Griechen gab es Phylen, bei den Römern Gentes, bei den Germanen Ver 
wandtschaften, bei den Galliern Clans (in Schottland bis in die neueste Zeit),
        

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