Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Anthropologie. 
zu seiner embryonalen Ausbildung auch einen vollkommeneren Ernährungs 
mechanismus, als die auf der niederen Stufe stehen gebliebenen Verwandten 
ihn besitzen. Progressive Anpassungsphänomene kommen offenbar hier zur 
Erscheinung, deren Werdegang freilich vorläufig noch nicht zu erraten ist“. 
Die Grundzüge der Entwickelung des Eies der Affen und des Menschen 
werden in folgenden vier Sätzen gegeben. 1. „Nach der Verschmelzug des 
Chorion mit dem Uterusepithel müssen die formativen Zellen des zukünftigen 
Embryos ins Eiinnere geschoben werden“ (S. braucht dafür die Bezeichnung 
Entypie, d. h. Hineindrückung des Keimfeldes, und er meint, wie bei den 
Nagern und Insektivoren, bei denen eine Entypie des Keimfeldes statt hat, 
der Verschluss oder die Abschnürung der Amnion selbst bei nahe verwandten 
Formen in sehr verschiedener Weise vor sich gehen könne, so möchte auch 
bei Affen und Menschenaffen dieser Prozess etwas verschiedenartig verlaufen; 
eine Frage, die erst auf Grund neuer Thatsachen geklärt werden könne). 
2. „Zugleich oder unmittelbar danach lösen sich die Bildungszellen des Dotter 
blatts von den formativen Zellen und bilden einen dem Keimschilde an 
liegenden Sack.“ 3. „Unmittelbar darauf treten Mesenchymzellen auf, die 
unter Vergrösserung der Chorionblase zwischen Chorion und Dotterblattblase 
sich eindrängen und letztere vom Chorion abheben, indem sie die Innenfläche 
des Chorion austapezieren, und Amnionektoderm wie Dotterblattblase über 
decken, zugleich in den Zotten ein lockeres Gewebe bildend.“ 4. „Die 
Abschnürung des amniogenen Ektoderms vom Chorionektoderm geschieht sehr 
frühzeitig, jedenfalls vor Differenzierung des Keimschildes. Doch können 
die schlauchartigen, in der Verlängerung des Amnionzipfels gelegenen Schilde, 
die sich in einigen Fällen vorfanden, als ein Testierender Amnionstiel ge 
deutet werden.“ Eine bisher nur am Menschen (von His und Minot) be 
obachtete Bildung, die von ihnen aber nicht mit Sicherheit als normaler 
Vorgang gedeutet wurde, hat Selenka bei Cercocebus cynomolgus wiederge 
funden; es ist die sog. Rückenknickung, eine Umbiegung der Längsaxe nach 
hinten, und zwar genau wie beim Menschen zwischen 12. und 14. Urwirbel. 
Er bringt dies in Zusammenhang mit einer zweiten, bisher nur vom Menschen 
bekannten, von ihm bei Cercocebus cynomolgus, verschiedenen Semnopitheci, 
sowie bei Hylobates concolor und Rafflesi nachgewiesenen Bildung, dem 
Haftstiel, der, ursprünglich nur eine strangartige Verbindung des Amnion 
mit dem Chorion, allmählich den Allantoisschlaueh mit den Allantoisgefässen 
und sogar das ganze hintere Körperende des Embryo, welches daher in der 
Entwickelung zurückbleibt, in sich aufnimmt. Amerikanische Affen konnten 
daraufhin nicht untersucht werden, doch scheint es sich um einen für die 
Primaten charakteristischen Vorgang zu handeln. Auf die interessanten 
Verschiedenheiten in der Ausbildung der Placenta soll hier nicht eingegangen 
werden, da wir darüber bald Genaueres erwarten dürfen. Unter den vielen 
schönen Abbildungen verdient die des kleinsten bekannten Primatenkeimes,
        

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