Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Anthropologie. 
besonderen, ja (in falscher Weise) aiisschliesslichen Wert den einzelnen zu 
schrieben. Jeder Faktor für sich allein betrachtet, schafft seinen bestimmten 
„Schädeltypus“. Abgesehen von pathologischen Schädeltypen, zu welchen 
in gewissem Sinne auch die künstlich deformierten zu rechnen sind, giebt 
es zunächst individuelle, sexuelle und durch das Alter bedingte Schädel 
typen. v. Török z. B. erkennt nur individuelle an, Rieger nur physiologische, 
eine weitere Form. Zu diesen gehören in gewissem Sinne auch die Ivultur- 
schädeltypen. Dem Einfluss der Rasse wird heutzutage zu wenig Gewicht 
beigelegt; freilich macht sich diese in sehr ungleicher Weise bemerkbar und 
nur wenn in hohem, ja extremen Grade vorhanden, ist der Schädel als 
Rassendiagnostikum zu verwerten. Freilich wird das Rassenhafte eines 
Schädels nicht durch die craniometrische, sondern die cranioscopische Methode 
Blumenbachs erkannt, der blosse Blick muss genügen. Um auf letzteren 
Faktor die Aufmerksamkeit zu lenken, wurde in der Überschrift absichtlich 
der Titel: „Schädeltypen und Rassenschädel“ gewählt. Ein späterer Auf 
satz soll speziell auf Südamerika eingehen und die hier vorkommende 
„Poikilotypie“ der Schädeiformen behandeln. Selbstbericht. 
301. Otto Walkhoff: Der Unterkiefer des Anthropomorphen und 
des Menschen in seiner funktionellen Entwickelung und 
Gestalt. Selenkas Menschenaffen, 1902. Liefg. IV. S. 209 
bis 322, 59 Abb. Wiesbaden, C. W. Kreidel. 
Verf. sucht an Hand der Vergleichung der allgemeinen Gestalt des 
menschlichen Unterkiefers mit solchen der Affen, speziell der Anthropo 
morphen einerseits, andererseits durch Vergleich mit frühmenschlichen, wie 
Sehipka-, Pfedmost- und Krapina-Kiefer, die Entstehung der heutigen Form 
des menschlichen Unterkiefers zu studieren. Mit Hilfe der Röntgenphoto 
graphie werden die entwickelungsmechanischen Ursachen untersucht, die 
diesen Veränderungen zu Grunde liegen können. Zahlreiche Photogramme, 
deren Reproduktion allerdings nicht immer sehr deutlich ist, lassen erkennen, 
dass die Spongiosa in gewissen Zügen angeordnet ist, die bestimmten Kraft 
richtungen entsprechen, und es wird ausgeführt, dass der Unterkiefer der 
Anthropomorphen und des Menschen zwar aus ursprünglich durchaus gleichen 
Konstruktionselementen zusammengesetzt ist, welche jedoch funktionell sehr 
verschieden beansprucht werden und dadurch eine sehr verschiedene äussere 
Gestalt und innere Struktur erlangen. Für die wichtigste Differenz hält 
Verf. den altbekannten Unterschied in der Kinnbildung und er macht für 
diese mit Mortillet und Schaaffhausen die Muskeln der Sprache, spez. 
des Genioglossus, verantwortlich, indem er zu zeigen sucht, wie bei den 
Anthropoiden ein wirkliches Trajektorium des Genioglossus noch fehlt, 
während die diluvialen Kiefer, entsprechend ihrer Reihenfolge in den geo 
logischen Schichten, eine immer zunehmende Ausbildung desselben erkennen
        

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