Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Anthropologie. 
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vollzieht sich dieselbe zwar langsam, sie bedeutet aber für den Organismus 
eine Phase übermässiger Thätigkeit, an der alle Gewebe, jedoch in ver 
schiedenem Grade teilnehmen. Besonders günstig wird das Muskelgewebe 
beeinflusst. Die Pubertät ist eingetreten, wenn die Schamhaare kräftig ent 
wickelt und ausserdem geringelt sind, die Achselhaäre sprossen und die 
Stimme mutiert. Die beiden ersten Erscheinungen pflegen mit 15 Jahren 
6 Monaten, die letztere bereits mit 14 Jahren 8 Monaten einzutreten; daher 
ist als Zeitpunkt der Pubertät das 15.—16. Lebensjahr (im Mittel 15 Jahr 
2 Monat) anzunehmen. Um die gleiche Zeit erfährt der Halsumfang seine grösste 
Zunahme, nämlich um 8 Millimeter im Semester (von 15Va—lTVs Jahren 
im ganzen überhaupt 25 mm.), ebenso das Körpergewicht, nämlich 3124 gr 
im halben Jahre. Es tritt weiter eine Beschleunigung des Längenwachstums 
für den Hals, den Oberschenkel (Femur) und den Vorderarm (Radius) ein; 
für die übrigen Knochen macht sich indessen ein verlangsamtes Wachstum 
geltend, nachdem jedoch eine Periode beschleunigten Wachstums für sie 
vorausgegangen ist. Dagegen zeigt sich während der Pubertät eine be 
deutende Zunahme des Rumpfes und der Gliedmaassen in ihrem Umfange 
(Dickenwachstum); eine Ausnahme hiervon machen nur der Brustumfang in 
Höhe der Brustwarzen, der kleinste Umfang des Vorderarmes und des Beines. 
Die Untersuchungen des Verfassers haben ferner dazu beigetragen, die 
Grenzen des Jünglingsalters (adolescence) oder wenigstens den Beginn des 
selben genauer festzusetzen (Kap. 8). Es geht aus denselben hervor, dass 
dieser Termin nicht erst in die Zeit nach der Pubertät fällt, wie die alte 
Auffassung der Lebensalter will, sondern vielmehr in die Zeit vor dem Auf 
treten der ersten Erscheinungen, welche die Pubertät charakterisieren. 
Im einzelnen auf die 129 Maasse des Körpers und seiner Teile näher 
einzugehen, ist hier nicht der Ort. Es sei verwiesen auf Kapitel 2 — 6 
(S. 37—179) der verdienstvollen Studie Godins, die mit vollem Recht mit 
dem Prix Broca von Seiten der Pariser anthropologischen Gesellschaft ge 
krönt worden ist. Buschan-Stettin. 
300. Robert Lehmann-Nitsche: Tipos de cráneos y cráneos de 
razas. Kevista del Museo de La Plata, 1903. Bd. XI, 
S. 159—170. 
Verf. sucht in diesem Aufsatze nachzuweisen, dass man nicht schlecht 
weg von einem „Schädeltypus“ im allgemeinen sprechen kann; es kommt 
vielmehr auf die verschiedenen Faktoren an, welche bei der Prägung der 
Schädelform mitwirken; diese müssen zunächst, analytisch, isoliert betrachtet 
werden, dann erst, gewissermassen synthetisch, können sie alle zusammen 
genommen werden, um den „Schädeltypus“ im allgemeinen darzustellen. Es 
werden nun die verschiedenen Faktoren kurz durchgesprochen, ihr Einfluss 
auf die Gesamtschädelform beleuchtet, und Autoren herangezogen, welche
        

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