Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

A. Originalarbeiten. 
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seits der Stuhl, auf welchem die Geschmückte von einigen Männern 
nach dem Hause ihres Zukünftigen getragen wird, ebensowohl als 
ein — Thron gedeutet werden. Denn unter einigen Völkern gehört es 
thatsächlich zu den Hochzeitszeremonien, dass die Braut auf einem 
Throne sitzt. So gebietet die Sitte der Georgier, dass die diadem 
geschmückte Braut, auf einer Art von Thronsessel sitzend, die Be- 
grüssung ihres Bräutigams entgegennehme; 1 ) so sitzt die von Gold 
und Seide strotzende chinesische Braut auf einem Thronsessel. 1 2 ) Und 
an verschiedenen Orten geht man noch weiter. In Syrien 3 ) wie in 
mehreren Gegenden Westafrikas 4 ) erteilt man der Braut während 
der letzten Tage vor ihrer Vermählung den Titel „Königin“, dort 
mit einheimischem Worte Malaki, hier Quicumhe. 
II. 
War der magische Spiegel im Besitztum der Vorzeit? 
Von V. Jäkel. 
Als vor etwa zwei Jahrzehnten der japanische Physiker Mu- 
raoka entdeckte, es könne jeder metallene Spiegel „magisch“ ge 
macht, d. h. in der Weise geschliffen werden, dass, wenn man das 
von dem Spiegel reflektierte Licht auf einer weissen Wand auftängt, 
ein mehr oder minder vergrössertes Bild derjenigen Figuren zum 
Vorschein kommt, die auf der Rückseite des Spiegels — wenn auch 
noch so zart, etwa mit einer Messerspitze — eingeprägt sind, schloss 
hieran Ernst Bötticher seine Hypothese, dass schon in fernster 
Urzeit der magische Spiegel in der priesterlichen Magie seine Ver 
wendung gefunden haben möge. Bötticher vermochte sich dabei 
nur auf zwei Thatsachen zu berufen, erstlich auf das von Daniel 
erzählte Wunder des Menetekel und zweitens auf jene ägyptischen 
Metallspiegel, die als sogenannte Sonnenscheiben ein Attribut der 
ägyptischen Götter bildeten und deren Rückseiten zuweilen Hiero 
glyphen trugen, jene Metallspiegel, die durch Öffnungen, welche im 
Tempeldache, teilweise versteckt, angebracht waren, vom Sonnen 
lichte bestrahlt werden konnten. 5 ) 
1) Hurtrel, La ferame. Paris 1887. S. 99. 
2) v. Scliweiger-Lerchenfeld, Das Frauenleben der Erde. Wien 
1881. S. 231. 
3) Platz a. a. 0. II 386. 
4) Bastian, Die deutsche Expedition an der Loangoküste. Jena 1874. 
S- 176 in Note. 
5) E. Bötticher, Der magische Spiegel und seine Bedeutung für die 
Kunde der Vorzeit; s. Aus allen Weltteilen XIV 106.
        

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