Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Urgeschichte. 
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285. v. Schlemmer: Hügelgräber auf dem Trieb bei Giessen. 
Oberhess. Gescliichtsverein. Fundbericht f. d. Jahre 1899 
bis 1901. Giessen 1902, S. 31—46. 
Ein Hügel, welcher schon früher teilweise ausgegraben war, wurde 
vollständig und gewissenhaft untersucht. Er enthielt noch 10 Skelettgräber 
in zwei Schichten, deren Altersunterschied jedoch nicht bedeutend ist, sie 
gehören nach K. der Hallstattzeit an. Ausser zahlreichen anderen Bronzen 
kommen sowohl in der unteren wie der oberen Schicht Radnadeln vor, auch 
Eisen tritt bereits in der unteren Schicht auf. Bei einigen Skeletten wurden 
Holzteile beobachtet, welche auf die Benutzung von Särgen oder Toten 
brettern hinweisen. Mehrfach fanden sich Überreste von Geweben vor. Ein 
hervorragendes Stück ist ein mit Bronzebuckeln besetzter Ledergürtel. 
Ein zweiter Hügel enthielt nur eine Aschen- und Kohlenschicht mit 
einem eisernen Halsring und andern Eisenteilen. Nach Gundermanns An 
sicht ist es kein Grabhügel, sondern eine Wohnstätte, frühestens aus der 
älteren La Tene-Zeit. Br. A. Götze-Berlin. 
286. Kramer: Die Funde auf dem Rodberg bei Giessen. Oberhess. 
Geschiclitsverein. Fundbericht für die Jahre 1899—1901. 
Giessen 1902, S. 87—92. 
K. berichtet über verschiedenartige Funde aus einer Sandgrube an 
der Wiesecker Strasse (Thongefässe, ein Steinbeil, Reibsteine, sog. Napoleons 
hüte); ferner über Funde aus Trichtergruben (Scherben, ein „Napoleonshut“) 
und solche vom nördlichen Abhange des Rodberges. An letzterer Stelle 
handelt es sich um Spät-La Tene-Saclien, Gefässe, Fibeln, Gürtelhaken, 
Ringe etc. anscheinend aus Brandgräbern. Genauere Fundberichte sind 
nicht vorhanden. Br. A. Götze-Berlin. 
287. Gundermann: Das örnenfeld im Giessener Stadtwalde. Ober 
hess. Geschiclitsverein. Fundbericht f. d. Jahre 1899—1901. 
Giessen 1902, S. 93—122. 
Ein wichtiges Urnenfeld der römischen Kaiserzeit, von der Mitte des 
2. bis gegen das Ende des 3. Jahrh. reichend, wurde im Giessener Stadt 
walde untersucht. Die Flurbezeichnung „Ursulum“ giebt G. Veranlassung, 
diesem Namen nachzugehen und zu ermitteln, dass in jener Gegend ein 
Ort Ursenheim noch 775 bestanden hat, dass aber schon 1495 das Gelände 
mit Eichwald bedeckt war. Die Gräber bestehen in der Regel aus je einer 
Urne, die frei in der Erde steht. Die Verbrennung erfolgte für jedes Grab 
auf einem besonderen Scheiterhaufen. Die Beigaben zeigen durchgängig 
Brandspuren. Unter den Metallbeigaben ist eine Silbermünze des Vespasian 
zu nennen. Auffällig ist der Reichtum an Bronzegefässen, von denen 
mindestens 25 Exemplare in Bruchstücken vorhanden waren. An Fibeln
        

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