Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
Zeichnungen (Skulpturen, Fresken, Kameen, Münzen etc.) versucht es U., 
ein klares Bild der Völker Indiens von der Einwanderung der Arier bis 
auf heutige Zeiten zu entwerfen. Die grösste Aufmerksamkeit unter der 
Masse des reichen Materiales verdienen die Fresken aus den unterirdischen 
Tempeln von Adjanta, welche J. Griffiths genau beschrieben und chromo 
lithographisch abgebildet hat; Griffiths verlegt sie in das erste und zweite 
Jahrhundert n. Chr. 
Von der Bevölkerung Indiens zur Zeit der Ankunft der Arier nimmt 
U. an, dass sie aus drei Gruppen bestand: weissen Ariern, gelben Nagas und 
autochtenen Dasyus oder Dravidas; diese letzteren hatten eine mehr oder 
weniger dunkle Haut, jedoch ohne jede Beimischung von Negerblut, und 
bestanden aus verschiedenen Rassen. Von den sieben Hauptcharakteren 
des arischen Typus (hohe Gestalt, Dolichocephalie, weisse Haut, blondes 
Haar, blaue Augen, Leptoprosopie, Leptorrhinie) beginnen sich seit dem 
Momente des Wechselverkehres Indiens mit dem Westen einzelne von ihnen 
im Laufe der Zeiten abzuspalten; nur die blauen Augen scheinen .sich am 
längsten behauptet zu haben. Unter der kurzen Herrschaft der persischen 
Achaemeniden im Nordwesten Indiens unterschied sich der iranische Typus 
augenscheinlich von indischen vorzugsweise durch die Hautfarbe. 
Die Skulpturen von Gandhera, dessen Bewohner bereits Herodot be 
kannt waren, weisen einen mit turanischen Elementen stark vermischten 
Hindutypus auf, in welchem Beziehungen zu einem sehr alten und proto- 
arischen Volke mit gelber Haut zu finden sind. Die Denkmäler von Sautchi 
und Bliarhut stammen von einem eingeborenen, dunkelgefärbten Volke, 
welches jedoch nichts Negroides in sich hat. Die Typen der indischen 
Miniaturen aus den drei letzten Jahrhunderten nähern sich fast vollkommen 
dem jetzigen Typus. Der heutige Hindutypus — und damit bestätigt U. 
vollkommen die schon vorher aufgestellte Einteilung noch E. Schmidt — 
setzt sich aus drei Hauptvarietäten zusammen, und zwar: a) hohe Gestalt, 
Dolichocephalie, Leptoprosopie, Leptorrhinie, helle Haut; b) niedrige Ge 
stalt, Dolichocephalie, Platyprosopie, Mesorrhinie oder Platyrrhinie, stark 
nuancierte dunkle Haut; c) relativ hohe Gestalt, Leptoprosopie, Leptorrhinie; 
oft dunkel gefärbte Haut. Überdies giebt es noch eine sekundäre Varietät 
von hellfarbigen Platyrrhinen, welche jedoch wenig zahlreich ist. 
Dr. Oskar v. Hovorka-Wien. 
258. Max Uhle: Types of culture in Peru. American Anthropologist. 
N. S. 1902. Vol. IV, S. 753 ff. 
Uhle weist darauf hin, dass ein richtiges Verständnis der höheren 
amerikanischen Kulturen in Amerika nur zu gewinnen ist, wenn man sie 
nicht als in ihrem Nebeneinander, Lokalstile geographisch getrennter Stämme, 
sondern jeden einzelnen in seinem Nacheinander, in seiner geschichtlichen
        

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