Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

210 
ß. Referate. Ethnologie. 
der Sprache. Formlose Sprachen giebt es freilich heute nicht mehr, denn 
auch der heute tiefstehendste Mensch hat einen sprachlichen Ausdruck für 
alle Beziehungen der Satzelemente gefunden und ein System des Be 
ziehungsausdrucks entwickelt. Im Laufe einer ganzen geologischen Periode 
(mindestens einer, L.-N.) haben sich die Ursprachen nur langsam entwickelt 
und für den Yerf. scheint der Gang der Entwicklung vom Polysynthetismus 
(wie z. B. das Araukanische) über Agglutination und Flexion zur Isolation 
harmonisch fortzuschreiten und einer Art psychologischen Entwicklung zu 
entsprechen. Es ist das nicht etwa ein Kreislauf, bei dem sich die äusseren 
Formen am Anfang und Ende sehr nahe stehen, denn der Unterschied liegt 
im Fortschritt, in der Gedankenklarheit verbunden mit der Einfachheit der 
Mittel. Die Sprachentwicklung muss schliesslich logisch-theoretisch ihr Ende 
finden, bis Gedanke und Wort sich decken (die Existenz einer absoluten 
Logik vorausgesetzt), wie in der Mathematik Wert und Wertzeichen. Dazu 
wird es freilich schon wegen Fixierung der Sprache durch die Schrift nie 
kommen. 
Zum Schluss ermahnt Yerf., recht fleissig Materialien von Sprachen 
der Naturvölker zu sammeln; denn eine allgemeine Sprachwissenschaft 
existiert heutigen Tages überhaupt noch kaum. 
Dr. B. Lehmann-Nitsche-La Plata. 
244. Conrad Keller: Die Abstammung der ältesten Haustiere. 
Herausgegeben durch die Stiftung von Schmyder von Wartensee. 
Zürich 1902, Kommissionsverlag von Fritz Amberger (4°, 8°). 
IV und 232 Seiten. 
Die Arbeit des Yerfassers soll „eine der Gegenwart entsprechende 
Grundlage schaffen, auf welcher ein „weiterer Aufbau möglich ist.“ Seine 
Resultate verdankt er „Methoden“, die er „zum Teil selbst erst geschaffen 
hat“ und hinsichtlich der wichtigsten in prähistorischer Zeit entstandenen 
Haustierarten, vertritt er „da und dort Ansichten, die von den herrschenden 
Meinungen abweichen“. 
Nach einer historischen Einleitung behandelt er die Methoden der 
Rassenforschung und der Haustier-Phylogenie, dann folgt die antike Kunst 
im Dienste der Haustiergeschichte und der Yorgang der Haustierwerdung. 
Das erste und auch älteste Haustier sind die Haushunde S. 35—80. 
Schon auf der ersten Seite wendet sich K. zu den prähistorischen Hunde 
rassen in Europa und nach 5 Seiten zu den vorgeschichtlichen präkolumbischen 
Hunden Amerikas, die mit 3 Abbildungen nach Nehring von Seite 39 bis 41 
reichen, dann kommen auf 5 Seiten die Hunde des historischen Altertums 
mit zwei schönen assyrischen und einer schlechten griechischen Abbildung. 
Yon Seite 46 bis zum Schluss behandelt er dann das Yerhältnis der zahmen 
Hunderassen zu den heutigen Wildhunden. Yom Canis occidentalis leitet
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.