Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

C. Kongressbericht. 
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— Ferner sind zu berücksichtigen die Mitteilungen über die Kobsaren 
(Banduristen) und Lyrniken (Leierspieler) d. h. über die wandernden 
Volksmusikanten. Um den anwesenden Fremden eine richtige Vorstellung 
von jenen jetzt allmählich aussterbenden Volkssängern zu geben, waren 
einige jener Leute veranlasst worden, mit ihren Instrumenten zu erscheinen, 
um zu spielen und zu singen. Kobsaren heissen die Leute, die auf der 
Kobsa spielen — die Kobsa ist ein 8 saitiges Instrument, eine Art Mando 
line, auch Pandura genannt; Lyrniken heissen die Leute, die eine sog. Lyra 
spielen. Die Kunst dieser Wandermusiker stirbt allmählich aus. Früher 
spielten die Sänger und Spieler eine grosse Rolle im Volksleben (Sumzow: 
Bemerkungen über Kobsaren und Lyrniken im Gouvernement Charkow; 
Iwanov: Die Artelle der Blinden, ihre Organisation und ihre gegenwärtige 
Lage; Chodkewitsch: Einige Worte über die Panduristen). — Pokrowski 
sprach über die Goldschmiedekunst im Gouvernement Charkow und Wassi- 
lenko über Weberei in Poltawa; Babenko über Teppich-Weberei. — 
Eine Anzahl Vorträge hat einen historischen Inhalt: (Bagalei, Grün 
dung der Stadt Charkow). 
Aus der 3. Sektion (Denkmäler der Kunst-Numismatik und 
Sphragistik) ist nichts zu erwähnen. 
In der 4. Sektion (Häusliches und öffentliches Leben, Rechts 
gebräuche) sind auch nur solche Vorträge gehalten worden, die ausserhalb 
des hier uns interessierenden Gebietes liegen. 
In der 5. Sektion (Kirchliche Altertümer) macht N. J. Troitzki 
Mitteilungen über einen neu aufgedeckten christlichen Tempel im Taurischen 
Chersones. Uwarow hat vor 50 Jahren daselbst die ersten Ausgrabungen 
vorgenommen und sich energisch bemüht, dem durch unkundiges Graben ge 
machten Schäden zu steuern. Seit Uwanows Bemühungen wurden in Charkow 
die Ausgrabungen methodisch fortgesetzt. Im Laufe der letzten Jahre wurde 
eine grossartige Nekropole und das Fundament eines Tempels mit doppelter 
Mauer aufgedeckt. Wahrscheinlich war der erste Tempel eingestürtzt und 
es wurde ein zweiter aufgebaut. Ein anderer Tempel hat die Gestalt eines 
Kreuzes mit gleichen Armen; er ist auf Grabgewölben — Katakomben — 
errichtet, die durch verzweigte Gänge mit einander in Verbindung stehen; 
hier sind Goldmünzen, Krüge, Lanzen gefunden worden. Der Fussboden 
des Tempels ist bedeckt mit einem schönen Mosaik aus gelbem, rotem, 
schwarzem und weissem Marmor. Auf Grund der gefundenen Münzen kann 
man schliessen, dass der Bau im V., vielleicht am Ende des IV. Jahr 
hunderts ausgetührt worden ist. Auch Fresken mit griechischen und grusi 
nischen Inschriften haben sich erhalten. 
Aus der 6. Sektion (Altertümer der Schrift und Sprache) seien 
genannt: ein Vortrag von Simonik über den Kammer- und Hof-Gus- 
Ksten Trutowski. Gusli ist ein Saiten-Instrument, eine Art liegende Harfe.
        

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