Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

176 
B. Referate. Ethnologie. 
211. Charles P. Bowditch: On the age of Maya ruins. American 
Antiquarian. 1901. N. S. Yol. III, S. 697 ff. 
Bowditch glaubt, dass die von Edward H. Thompson kürzlich in Chichen 
Itza aufgefundene Inschrift die Möglichkeit gebe, das relative Alter mancher 
Ruinenstädte zu bestimmen. Er glaubt Gründe zu der Annahme zu haben, 
dass Piedras negras, Copan, Palenque und Quirigua gleichzeitig in Blüte 
standen, dass dagegen Chichen Itza jünger gewesen sei, als die genannten 
Städte. Prof. Dr. E. Schmidt-Jena. 
212. George A. Dorsey: Archaeological Investigations on the 
Island of La Plata, Ecuador. Field Columbian Museum. 
Publication 56. Anthropological Series. 1901. Yol. II No. 5, 
S. 245—280. 63 Tafeln und 10 Textfiguren. 
Die kleine Insel La Plata liegt 48 km von der Wüste Ecuadors ent 
fernt südlich vom Äquator und ist jetzt, wie sie es wohl auch vor der 
spanischen Invasion war, unbewohnt. Nichtsdestoweniger sind dort archäo 
logische Funde gemacht worden. Der dortige Leuchtturmwärter fand zufällig 
ein Grab und darin goldene Schmuckgegenstände und -Geräte. Durch den 
General Manuel Flores, der daraufhin, aber vergeblich, weitere Nachforschungen 
auf der Insel hatte anstellen lassen, wurde Dr. Dorsey bei seinem Aufenthalt 
in Guayaquil 1902 aufmerksam gemacht und untersuchte 16 Tage lang die 
Insel. Die vorliegende Arbeit berichtet über die interessanten Ergebnisse. 
Am Nordende, oberhalb und nahe der Mündung eines Flüsschens sollen 
auf dem niedrig gelegenen Boden die ersten Gräber gefunden sein. Dort 
wurde auch ein weiteres Grab mit zwei Skeletten blossgelegt, deren Bei 
gaben meist auf das peruanische Hochland als Ursprungsort hinweisen. 
So die Gold- und Silberfigürchen, die über einer Steinform gehämmert zu 
sein scheinen, kupferne Anhänger in Gestalt von Glöckchen, goldene, silberne 
und kupferne Nadeln (topos) und eine Thonurne von der charakteristischen 
Form und Bemalung der grossen Gefässe aus Cuzco. Unter den anderen 
Gegenständen sind besonders eine goldene Schale und eine grosse Ceremonial- 
Steinaxt bemerkenswert. In der Umgebung des Grabes war die ausgeworfene 
Erde in einiger Tiefe von zwei Schichten Asche und Kohle durchsetzt, und 
unregelmässig verstreut fanden sich Bruchstücke von Thonfigürchen und ein 
gravierte Steine. Wie sich nachher herausstellte, waren diese Dinge augen 
scheinlich vom Hochplateau dahinter herabgekommen. Denn es lagen dort 
an verschiedenen Stellen Haufen von zerbrochenen Thonfigürchen, dazwischen 
mit Strichen und Ringen skulptierte Steine und Steinperlen, und ein Teil 
einer Figur wurde unten gefunden, während das dazu passende Gegenstück 
sich oben vorfand. Meist hatten die Thonfiguren menschliche Gestalt in 
sehr mannigfaltigen Typen, wenige Tiere wrnren darunter, aber alle enthielten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.