Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

12 
B. Referate. Anthropologie. 
10. Heinrich Matiegka: Über das Hirngewicht, die Schädelkapa- 
cität und die Kopfform, sowie deren Beziehungen zur 
psychischen Thätigkeit des Menschen. I. Über das Hirn 
gewicht des Menschen. Sitzungsber. d. kgl. bölim. Gesell 
schaft der Wissenschaften in Prag. 1902, II. CL, Nr. 20. 
75 Seiten. 
Der schon öfters aufgeworfenen, aber immer noch nicht endgültig abge 
schlossenen Frage, wieweit das Hirngewicht des Menschen durch Wachstum, 
Alter, Geschlecht, Körperzustand etc. beeinflusst wird, sucht Verf. auf Grund 
der im bölrm. patholog.-anatom. Institut und in dem Institut für gerichtliche 
Medizin in dem Zeitraum von 1895—1899, bzw. 1896—1900 vorge 
nommenen und gleichinässig durchgeführten Hirnwägungen (unter Mitnahme 
von Pia und Araclmoidea) von neuem näher zu treten. Von diesem reich 
lichen Materiale wurden die Gehirne von Personen unter 20 Jahren, sowie 
solche mit auffallenden substantiellen patholog. Veränderungen ausser Acht 
gelassen, soclass in dem ersteren Institute (I) 94 Hirne Geistesgesunder und 
322 Geisteskranker, in dem zweiten (II) die 581 Geistesgesunder und 
9 Geisteskranker zur Verwertung kamen; die Untersuchungen an Geistes 
kranken gewinnen hier einen besonderen Wert, weil sie einen V ergleich mit 
denen normaler Menschen aus demselben Institut zulassen, und zudem 
mittels derselben Wägemethode von demselben Beobachter vorgenommen 
wurden. — Wir können hier nicht auf die Einzelheiten dieser fleissigen 
und sorgfältigen Studie eingehen, sondern wollen uns damit begnügen, die 
Hauptergebnisse wiederzugeben. 
1. Das durchschnittliche Hirngewicht betrug bei I für die Männer 
1306,2 gr (46 Fälle), für die Frauen 1185,0 gr (48 Fälle), bei II für 
erstere 1441,5 gr (376 Fälle), für letztere 1290,3 gr (205 Fälle); der 
Unterschied zwischen I und II mag daher rühren, dass bei I über 57 °/ 0 
der Männer, bei II aber noch nicht 5°/ 0 an Tuberkulose verstorben waren. 
Der Unterschied des Hirngewichtes im reifen Mannes- und im Greisen-Alter 
(über 60 J.) belief sich bei I auf 97,7 gr (^) bzw. 71,7 gr (9) 5 bei H 
auf 46,2 bzw. 74,3 gr. — Die meisten Fälle fielen beim ^ Gehirn (22,7 °/ 0 
und 32,5°/ 0 ) auf 1400 gr, beim 9 (48°/ 0 und 36°/ 0 ) auf 1200 gr. 
2. Mit zunehmender Körpergrösse steigt das Hirngewicht an, jedoch 
nicht in demselben Verhältnisse; das Weiberhirn ist im Vergleich zur Körper 
grösse relativ leichter. 
3. Einem kräftigen Knochenbau entspricht ein bedeutenderes Hirn 
gewicht und vice versa. 
4. Ein guter Ernährungszustand hat eine Erhöhung, ein schlechter 
eine Verminderung des Hirngewdchtes zur Folge. • , 
5. Die Serienmitte, sowie der Kulminationspunkt liegt bei den geistes-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.