Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
159 
bezwingend. (Der Fandango, der im Globus LXXIV, S. 356, Fig. 16 erwähnt 
ist, darf für das baskische Volk nicht als spezifisch angesehen werden. Ref.) 
Diese Beispiele sind nicht ausgesucht; sie dürfen auch nicht für die 
schönsten und am meisten charakteristischen Melodien angesehen werden, 
sondern stellen nur bisher nicht veröffentlichte Weisen vor. —• Es ist an 
der Zeit, dass die Ethnologen sich davon überzeugen, dass man die volks 
tümliche Musik der verschiedenen Völker auch zum Gegenstand der Wissen 
schaft machen muss, aber wirklich nach der wissenschaftlichen, also technischen 
Seite hin, nicht vom voreingenommenen Standpunkte der Musikschulen aus. 
Prof. Dr. T. de Aranzadi-Barcelona. 
182. V. Viiali: Gli Abruzzesi. Atti d. Soc. Romana di Anthropol., 
1901. Vol. VIII, fase. III. 
Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, dass die Individuen ver 
schiedener Stämme auch in ihren Jugend- und Entwicklungsjahren ver 
schiedene körperliche und geistige Eigenschaften, verschieden sowohl nach 
zeitlicher Entwicklung wie nach Quantität und Qualität, aufweisen, versucht 
es die Pädagogik neuerdings, durch exakte Methoden anthropologische und 
psychophysische Werte für diese Eigenschaften zu finden und dieselben für 
den Erziehungsplan nutzbar zu machen. So hat auch Verf. aus Kopf- und 
Körpermaassen der abruzzischen Schüler die Zeit der grössten Entwicklungs 
fähigkeit der einzelnen Teile für diese festzustellen unternommen, um daraus 
die geeignete Zeit für Schonung oder Übung des betreffenden Organs, be 
sonders des Gehirns, abzuleiten. Da bedauerlicherweise die Individuenzahl, 
aa denen die Mittelmaasse gewonnen sind, nicht einmal genannt ist, ge 
schweige denn die Reihen der Maasse aufgeführt sind, so können die Schlüsse 
des Verf. nur als unbewiesene Hypothesen gelten. Aus dem psychologischen 
feil seien die Assoziationsversuche hervorgehoben. Verf. findet, dass die 
a bruzzische Jugend fast ausschliesslich Klang- und Ähnlichkeitsassoziationen 
hervorbringt, in Übereinstimmung mit der Beobachtung des Vorwiegens des 
Klangbildgedächtnisses vor dem Gesichtsbildgedächtnis und der geringen 
Kombinationsgabe. Mit diesem Resultat setzt Verf. auch die Thatsache in 
Verbindung, dass unter den Bewohnern der Abruzzen Redner, Musiker und 
Sprachkundige sehr zahlreich sind, also Individuen, deren Intellekt die aus 
her Gehörsempfindung resultierenden Vorstellungen umfasst. Man sieht, zu 
We lch wichtigen Schlüssen — selbstverständlich unter gerechter Würdigung 
her Individualpsychologie — die Pädagogik behufs Aufstellung eines adaequaten 
Krziehungsplanes und Hinweisung auf Berufswahl im Sinne einer Rassen- 
er ziehungslehre kommen muss, wie sie auch Verf. in Kürze für seine 
Abbruzzesen andeutet. Nur müssen wir auch hier vom wissenschaftlichen 
Standpunkt aus bedauern, dass Verf. die psychologischen Experimente, ins 
besondere die Assoziationsreihen, allgemeiner Kenntnisnahme entzogen hat.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.